Wenn an warmen Februartagen die Meisen laut rufen, nehmen viele Menschen das als Zeichen dafür, daß der Winter nun zu Ende ist, und sie sagen: „Die Finken schlagen schon.“ Aber die Finken schlagen erst, wenn der Frühling wirklich da ist.

Drei Arten von Finken sind in Deutschland zu beobachten, und im Hochgebirge kommt gelegentlich eine vierte dazu. Alle vier sind nicht vom Aussterben bedroht; im Gegenteil, es gibt „Finkenjahre“ in denen sie in Scharen auftreten. Nur der Buchfink, auch Edelfink genannt, und der Grünfink sind überall bei uns zu Hause, am Stadtrand, in Gärten, in Parks, in Dörfern, an Waldrändern und auch in lichten Wäldern. Der Schneefink nistet in den Alpen, erst dort, wo keine Bäume mehr wachsen, und der Bergfink ist nur im Winter zu Gast bei uns.

Der Buchfink ist ein Zugvogel, man merkt es nur nicht. Die bei uns überwintern, in ihrer Mehrzahl jedenfalls, kommen aus dem Norden und dem Osten, einige allerdings, vor allem in milden Wintern, sind auch standorttreu. Der Ornithologe Naumann schreibt: „Dieser Fink hat eine angenehme Gestalt und trägt sich auch meistens so, daß er immer schlank und glatt aussieht. Er ist munter, geschickt, gewandt und zutraulich.“ Und dann schreibt Naumann in seiner Naturgeschichte der Vögel sieben Seiten lang über den Gesang des Buchfinken.

Vor einigen Jahren hatte ich das Glück, vier Meter vor meinem Fenster in einer Kiefer zu beobachten, wie ein Buchfinkenpärchen sein Nest baute, eine Halbkugel, in die man hineinsehen konnte. Sie zogen ihre Jungen groß, nur drei, doch zwei oder drei Tage, ehe die Jungen flügge waren, zerstörten Elstern das Nest und fraßen die Brut.

Der Grünfink, nicht ganz so häufig wie der Buchfink, aber keineswegs selten, kann, wenn es um den Gesang geht, mit seinem Vetter nicht mithalten. Sein Gesang ist ein kurzer Triller mit einem angehobenen Ton am Ende. Aber wie alle Unmusikalischen ist er in sein Lied verliebt. Ich habe mitgezählt, als er an einem Morgen im Mai von fünf Uhr fünfzig bis sechs Uhr achtundzwanzig seinen Triller unermüdlich wiederholte, 74 mal. Wenn es dem Grünfinken auch an Stimme mangelt, couragierter als Buchfinken sind sie allemal. Ohne Umschweife fliegen sie ein Futterhaus an, während Buchfinken das erst wagen, wenn die Temperatur unter minus zehn sinkt und tagelang eine geschlossene Schneedecke liegt.

Der Bergfink, unser Wintergast, baut sein Nest nördlich und südlich des Polarkreises, dort, wo noch Birken und Fichten wachsen. Für mich ist er der hübscheste, der bunteste aller Finken und wohl auch der mit der größten Freßsucht. Im Oktober treffen die ersten bei uns ein, und wenn die Winter in Nordeuropa rauh und hart sind, dann sind es im November Scharen. Noch Anfang des Jahrhunderts hat man sie im Elsaß, in Lothringen und in der Pfalz, fackelbewehrt in die Wälder ziehend, zu Hunderten mit Blasrohren erlegt und gebraten. Doch ihr Fleisch soll bitter schmecken, weniger lieblich als das des Buchfinken.

Wie alle Finken, werden sie als zänkisch beschrieben. Nach meiner Beobachtung sind sie am Futterhaus manierlich, obwohl sie meist in der Überzahl sind. Und wiederholt gesehen habe ich, daß Dompfaffen sie, wenn sie ihnen zu nahe kommen, wegbeißen. Bei Grünfinken tun sie das nicht. Abneigung gegen Ausländer?