Die Übernahme der AEG beschert Daimler-Benz Probleme

Von Hans Otto Eglau

Die Versicherung der neuen Herren, er bleibe im Amt, hielt nicht einmal fünf Monate: Am vergangenen Donnerstag schrieb Klaus Kuhn, Aufsichtsratsvorsitzender der AEG, seinen neunzehn Kollegen im obersten Kontrollorgan, einen Abschiedsbrief. Tags darauf, Punkt elf, ließ er die Nachricht von seinem bevorstehenden Rücktritt an Presseagenturen und Zeitungsredaktionen geben.

Seinen Nachfolger präsentiert Kuhn gleich selbst: Werner Breitschwerdt, Chef von Daimler-Benz. Deutschlands bestverdienendes Industrieunternehmen hatte Mitte Oktober mit dem Einstieg in den notdürftig sanierten Elektrokonzern für die größte Fusion in der Geschichte der Bundesrepublik gesorgt. Mit über 290 000 Beschäftigten bringt es das Automobil-Elektro-Imperium weltweit auf einen Jahresumsatz von über sechzig Milliarden Mark.

Daß die Mercedes-Manager nicht nur AEG-Vorstandschef Heinz Dürr, sondern auch dessen Aufpasser Kuhn auf ihren Posten zu belassen versprachen, schien so überraschend nicht. Immerhin hatte das Duo, bis September 1984 mit Vergleichsverwalter Wilhelm Schaaf als Drittem im Bunde, den schwach gewordenen Riesen mit einigem Geschick durch das Vergleichsverfahren geführt und damit die Basis für einen Neuanfang gelegt.

Hohe Erwartungen

Als Nachfolger des glücklosen Dresdner Bank-Chefs Hans Friderichs schien der mit dem Vertrauen der kreditgebenden Banken auftretende Finanzmann Kuhn als Vorsitzender des Aufsichtsrates haargenau die richtige Wahl. Außer dem nötigen Sachverstand brachte der ehemalige Thyssen-Manager, der im Dauerzwist mit Vorstandschef Dieter Spethmann an der Ruhr das Handtuch geworfen hatte, noch etwas mit: Zeit. In seinem vergangenes Jahr nach eigenen Wünschen aufwendig (für AEG-Verhältnisse, wie manche feststellten, zu aufwendig) hergerichteten Büro widmete sich der mit einem gutdotierten Beratervertrag ausgestattete Libero gleich mehrere Tage die Woche der AEG – nur ein paar Meter von Heinz Dürrs Schreibtisch in derselben Etage entfernt.