Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft streitet unbeirrt für die 22 Kollegschulen in Nordrhein-Westfalen, die die Oberstufen der Gymnasien ersetzen und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sowohl einen Beruf zu erlernen als auch (gleichzeitig) das Abitur abzulegen. Mehr noch: Die Landesdelegierten der GEW forderten kürzlich während der Dortmunder Interschul-Messe, daß die Kollegschulen „vom Modell zur Regel werden“. Als immerwährender „Frischzellenspender für das herkömmliche Schulsystem können Sie doch wohl nicht gedacht sein?“ fragte ein Kollegschullehrer. Und: „Die Kollegschule ist längst allgemein gesellschaftlich anerkannt.“

So anerkannt nun auch wieder nicht: Mit der Doppelqualifikation der Kollegiaten ist es nach Ansicht von Unionspolitikern nicht so weit her. Schülerinnen und Schüler erwarben bislang mit dem Abiturzeugnis nur einen „Berufsabschluß nach Landesrecht“. Zur „Obligatorik“ in der Oberstufe gehöre nur Deutsch und die Gesellschaftswissenschaften, moniert der Philologenverband – von klassischer höherer Bildung keine Spur. Daß der Kollegschule laut GEW-Forderung gar „Leitfunktion in der Sekundarstufe II“ übertragen werden soll, findet der Gymnasiallehrerverband deshalb schlicht „schwachsinnig“.

Angesichts dieser Diskussion um das „Billig-Abitur“ streitet die Kultusministerrunde noch darüber, ob sie das Hochschulreifezeugnis der Kollegiaten weiterhin bundesweit anerkennt. Das ficht die GEW nicht weiter an. Kritiker kämen schließlich aus dem „Lager jenseits praktischer Erfahrungen“.

Erst Jürgen Girgensohn, als Ex-Kultusminister für den Modellversuch verantwortlich, holte die Gewerkschafter auf den Boden bildungs- und damit finanzpolitischer Tatsachen zurück. Wenn das Kollegschulmodell auf andere Schulen übertragen würde, hieße das ja, mehr Lehrer einzustellen, gab er zu bedenken. Dies hält der ehemalige Minister für unwahrscheinlich: „So wieich die Finanzminister kenne.“

Da bleibt es wohl doch bei der Kollegschule als Frischzellenlieferant. D.S.