Was sich zu Jahresende schon abzeichnete, ist nun offiziell: Sie wächst und wächst, die Reisefreude. Gut 57 Prozent aller Deutschen über 14 Jahre machten 1985 eine Urlaubsreise, die mehr als fünf Tage dauerte. In klaren Zahlen: 27,6 Millionen Bürger waren auf Achse, 900 000 mehr als im Jahr zuvor.

Natürlich hat niemand diese Millionen Urlauber einzeln gezählt. Aufgrund von mehr als 6000 Repräsentativ-Interviews, geführt von der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, wurden die Zahlen für die nunmehr 16. Reiseanalyse ermittelt. Auftraggeber ist der Studienkreis für Tourismus in Starnberg.

Einige Überraschungen bergen die Ergebnisse auch in diesem Jahr. Nicht überraschend ist allerdings, daß der Inlandsurlaub weiter an Beliebtheit verloren hat. Nur noch 34,5 Prozent der Reisen hatten ein deutsches Ziel. Fast zwei Drittel aller Reisen führten über die Landesgrenzen. Um knapp ein Prozent stiegen die Auslandstouren. Wieder einmal hat sich die Hoffnung der deutschen Touristiker nicht erfüllt, daß die Urlauber in größerer Zahl die Reize der Heimat schätzen und im eigenen Land ihr Geld ausgeben – der Zug in die Ferne war nicht zu bremsen. Immerhin ein Trost bleibt: Das Ferienziel Nummer eins heißt ja immer noch Deutschland und ist so schnell auch nicht einzuholen. Denn Italien, die Nummer eins bei den Auslandszielen, konnte nur knapp über 12 Prozent der Urlaubsreisen auf sich ziehen und erlitt obendrein Einbußen. Spaniens Sonne lockte noch mehr Urlauber als im Jahr zuvor, die Zahl der Reisen stieg leicht. Trotz aller Wehklagen aus der Alpenrepublik hat Österreich nicht verloren. Zehn Prozent aller Ferien finden jenseits der rot-weiß-roten Grenzpfähle statt. Der große Gewinner der letzten Saison heißt Jugoslawien, es zog in der Beliebtheitsskala sogar an Frankreich vorbei.

Unter den deutschen Zielen liegt wie jedes Jahr Bayern unangefochten an der Spitze, gefolgt von Schleswig-Holstein, das Baden-Württemberg schon im Vorjahr überrundete. Zufrieden sein sollte man auch in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Berlin. Das Trio konnte 800 000 Reisen verbuchen, solche, die länger als fünf Tage dauerten, wohlgemerkt.

Das Auto bleibt mit Abstand das beliebteste Urlaubs-Verkehrsmittel. Leicht in die Höhe ging die Zahl der Flugreisen, die Bahnreisen nahmen – fast schon traditionsgemäß – ab, die Busreisen zur Abwechslung einmal wieder zu.

Die Reiseveranstalter hatten’s bereits aus ihren Bilanzen gelesen, nun bestätigt es auch der Studienkreis: Die vielgeschmähte Pauschalreise findet immer mehr Anhänger. Ein Drittel aller Reisen wurden 1985 pauschal organisiert – immerhin knapp 11 Millionen – und ein Satz nach vorn um annähernd vier Prozent.

Ein weiterer Trend läßt sich bei den Mehrfachreisenden feststellen. Die Zahl derer, die nur einmal den Urlaubskoffer packten, kletterte höher, die Zahl derer, die sich zweimal im Jahr einen längeren Urlaub gönnten, sank.