Auf Massada haben die Archäologen gute Arbeit geleistet, es entstand ein Zeugnis der Geschichte

Von Monika Salzmann

Stolz und trotzig steht der Fels da, in einer Landschaft, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Fast jedenfalls. Mahnt doch der sinkende Wasserspiegel des Toten Meeres, daß der Mensch am Werke war. Hier, am tiefsten Punkt der Erde, ragt ein Berg auf, der in der Geschichte Israels eine tragisch-symbolische Bedeutung hat: Massada.

Schon in der Antike war er Ausdruck des Freiheitswillens seines Volkes, Schauplatz eines mörderischen, heldenhaften Kampfes, der mit einer Niederlage endete. „Massada wird nie mehr fallen“ – so heißt es heute in Israel.

Bereits von weitem können wir den mächtigen Felsen in der öden Landschaft erkennen. Wir kommen von Osten auf einer gut ausgebauten Straße, die uns direkt zum Fuß des Berges bringt. Es wimmelt von Touristen. Geduldig warten wir in der endlosen Schlange und bezahlen, einmal tief durchatmend, den stolzen Eintrittspreis. Nun steht es uns frei, wie wir den steilen Berg erklimmen wollen: bequem mit der Seilbahn, die uns direkt zum Gipfelplateau führt, oder mühselig und schweißtreibend auf jenem berühmten fünf Kilometer langen Pfad, der sich an der Bergflanke 400 Meter hinaufschlängelt. Wir entscheiden uns für das erstere und lassen uns, dichtgedrängt mit Gleichgesinnten, auf den Felsen hinaufschaukeln.

Oben angekommen, sind wir froh, das schwankende Gefährt verlassen zu können. Das also ist Massada, das letzte Widerstandsnest jüdischer Freiheitskämpfer im Kampf gegen die Römer, Symbol für den Untergang des Staates Israel, Symbol auch für dessen Neuerwachen. Massada, das ist die Umschreibung des hebräischen Wortes masad, die Festung.

Herodes ließ sie zwischen 37 und 31 v. Chr. ausbauen, als Zufluchtsort für ihn und seine Familie. Er, der von Geburt kein Jude war, fürchtete sich vor einem Aufstand des Volkes, das er regierte. Bedroht fühlte er sich auch von Kleopatra, Ägyptens schöner Königin, die keinen Hehl daraus machte, daß sie den Thron von Judäa nur zu gern für sich in Anspruch nähme. Und hatte ihr Antonius, Roms mächtiger Mann im Osten, je eine Bitte verwehrt?