„Leben und Sterben in L. A.“

von William Friedkin (Kamera: Robby Müller; Musik: Wang Chung). Wieder einmal wird einem harten Polizisten der Partner erschossen. Und wieder einmal hat der daraufhin nichts anderes im Sinn, als den Tod seines Freundes zu rächen. Die persönliche Rache, die einer zur öffentlichen Angelegenheit macht, das ist das wichtigste Motiv, das im amerikanischen und französischen Kino momentan die action story in Gang bringt. Die Rache macht äußerlich, was im Innersten brodelt: Gewalt und Leidenschaft, Ekstase und Tod.

Friedkin bietet aber nicht das übliche Spektakel, er bietet „Explosionen von Bildern und Tönen“. Seine Montage ist unfaßbar rabiat. Da wird ein Tempo vorgelegt, das manchmal schon die Grenze unserer Wahrnehmung streift. Die Bilder fließen nicht ineinander über, sie springen. Wodurch sie eine irritierende, verstörende Atmosphäre ausstrahlen: Raum und Zeit bilden keine Kontinuität mehr, die Welt wirkt zerhackt, zerrissen. Alles nur noch patchwork.

Friedkin bietet eine schwarze Vision von der Gegenwart unserer Zukunft. Sein L. A. ist eiskalt, ohne jede Perspektive, ohne jeden Ausweg. Niemand wagt mehr Gefühle. Und wenn doch, dann sind sie bloß Alibi dafür, ansonsten noch gefühlloser zu sein. Die Menschen sind da ohne Chance: Leben ist Krieg, Liebe ist Zwang, und Freundschaft ist eine krankhafte Obsession. Nur die Fälschungen und die Morde gelingen noch. Norbert Grob