Die Pappmauern hätten jeder Rheinruine zur Zier gereicht, die Fachwerkfassaden waren altfränkischer als Nürnbergs bunte Prospektwelt, und die jodelfrohe Musik war so urbayerisch wie das Dirndl der drallen Sängerin – Norddeutschland warb in Dallas um Touristen aus Texas.

Die drei Großstädte Hamburg, Hannover und Frankfurt, Deutschlands Einflugtor, hatten sich mit American Airlines, der zweitgrößten US-Fluggesellschaft, zusammengetan, um den Fremdenverkehr von der Neuen in die Alte Welt anzukurbeln. Die Interessen der Partner waren nicht deckungsgleich, aber gleichgerichtet: Die Luftlinie hat eine relativ junge Verbindung zwischen Frankfurt und den US-Metropolen Dallas und Chicago, sie muß überdies den Markt auf zwei weitere Verbindungen von den Staaten nach Düsseldorf und München vorbereiten. Die drei Städte sorgen sich wegen des zu geringen Anteils am amerikanischen Touristenaufkommen. Hamburg und Hannover liegen abseits der Urlauberströme, die, getreu amerikanischem Deutschlandbild, nach einer Schleife über den River Rhine gen Süden abschwenken, via Rothenburg und Dinkelsbühl nach „beautiful Bavaria“. Frankfurt hat zwar stattliche Zahlen amerikanischer Touristen vorzuweisen, aber die verdankt es nicht seinen Apfelwein-Reizen, sondern seinem Flughafen. „Frankfurt is more than a stopover“, lautete folglich die Devise, die Verkehrsamtsleiter Wolfgang Kuldschun für Texas ausgab.

Aber warum macht das Land zwischen Heide und Deich, das Terrain der Kornbrenner und Grogschlucker, ausgerechnet inmitten einer süddeutschen „Oans-Zwoa-Gsuffa“-Kulisse Werbung für seine nordischen Verlockungen? Ein Gruna ist, daß American Airlines den äußeren Rahmen stellt. Dieser Rahmen dient jeglicher „Germany Promotion“ in den USA, und nimmt – wie alle Werbung – die bekannten Identifikationszeichen auf. Das sind eben Dirndl, Jodler, Fachwerk und Burgromantik. Die Vereinigten Staaten werben hierzulande schließlich auch stereotyp mit Golden Gate, Manhattan und Monument Valley.

Aber es gibt noch einen zweiten Grund für die Übernahme der süddeutschen Klischees. Sogar die wenigen reiseerfahrenen Amerikaner haben keine Idee, wo Hannover liegt. Selbst Hamburg plazieren manche eher am Firmensitz von McDonald’s als im Norden Deutschlands. „Wir müssen Aufbauarbeit leisten“, räumt Horst Volckmann ein, der Hamburger Fremdenverkehrsexperte. Ralph H. Jarrett, sein Kollege aus Hannover, stimmt zu.

Das romantisierende Deutschland-Image ist der Türöffner, um bei den amerikanischen Reisebüro-Agenten vorsprechen zu können: Hamburg, Hannover und Frankfurt sind besuchenswert, sie liegen in Deutschland – das ist die erste „Message“, die diesen Kreis von Reisevermittlern erreichen soll. Die kleinen ortstypischen Akzente, die in der kurzen Präsentation des Dreierbundes gesetzt werden, sind nur Appetithappen: Frankfurt mit dem Struwwelpeter, Hannover mit Leibnitz und Hamburg mit dem Wasserträger Hummel. Allein er hinterläßt einen gewissen Wiedererkennungseffekt: „Hummel figures from Germany are great“, verrät Debra aus Fort Worth. Sie hat schon drei dieser Nippesbotschafter zu Hause stehen, aber so ein schwarzer Bursche mit Eimern fehlt noch.

Nein, die Werber aus dem Norden können hier auf nichts aufbauen. George aus Grapevine/Texas hofft, Hannover liege nahe bei Heidelberg, denn da wollten seine Kunden immer hin. Und Vin aus

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