Er habe den „bisher fehlenden Überblick über eine Epoche deutscher Geschichte in wichtigen Gebieten des Pazifiks und Chinas“ geliefert, bescheinigt sich Joachim Schultz-Naumann in seinem Buch „Unter Kaisers Flagge“ (Universitas Verlag, München; 352 Seiten, Photos, 38 Mark). Formal ist das richtig, wenn man die geographische Begrenzung sieht. Darstellungen der deutschen Kolonien mit ausführlichen Kapiteln über die pazifischen Besitzungen gab es jedoch schon zuvor, weitere sind gerade in den letzten beiden Jahren erschienen. Vor diesem Hintergrund wird die Schwäche dieses Buches deutlich: Es läßt deutsch-imperiale und geopolitische Entwicklungslinien, in deren Kontext das pazifische Engagement verständlich wird, nicht erkennen. Die unübersichtliche Kapiteleinteilung erschwert überdies das Verfolgen von Entwicklungen. Eine Lücke füllen aber die militärischen Betrachtungen: Der Verfasser hat hier eifrig Quellenkunde betrieben. Das ganze Werk ist eine Fleißarbeit mit kleinen Unzulänglichkeiten, mit teilweise mangelndem, kritischem Abstand und mit fehlender interpretarischer Einbindung in politisch-historische Tendenzen. Eine Faktensammlung. K. V.