Konjunktur für Kaffeesatzleser: Wo wird der Fall des Dollars enden, lautet die Frage, und jedes Orakel findet Gehör, wenn es nur hilft, die unruhigen Zeiten für Devisenhändler und Finanzchefs internationaler Unternehmen erträglicher zu machen. Tatsächlich weiß aber niemand, wohin die Reise des Dollarkurses in den nächsten Wochen und Monaten gehen wird.

Fünf Jahre brauchte die Weltwährung Nummer eins, um gegenüber der Mark ihren Wert zu verdoppeln, von nur wenig mehr als 1,70 Mark Ende 1979 auf fast 3,50 Mark im Februar 1985. Seitdem, innerhalb nur eines Jahres, hat der Dollar von diesem Gewinn rund drei Viertel oder 1,30 Mark wieder verloren. Jetzt ist die amerikanische Währung wieder da, wo Ronald Reagan sie bei seinem Amtsantritt 1981 übernommen hatte, bei rund 2,20 Mark.

Für dieses Auf und Ab des Dollars gibt es viele Gründe; in Universitäten und volkswirtschaftlichen Abteilungen von Banken und Großunternehmen sind in den vergangenen Jahren Tonnen Papier vollgeschrieben worden, um die Wechselbäder der Leitwährung mehr oder weniger intelligent zu erklären. Für die Praktiker ist das allerdings Altpapier. Sie interessiert, wohin die Wechselkurse von Dollar, Mark, Yen und britischem Pfund jetzt marschieren werden, und sie haben es schwer, sich darüber eine Meinung zu bilden.

Selten nämlich waren die Kommentare und Analysen zur Dollar-Frage so widersprüchlich wie in den vergangenen Wochen. Besonders irritiert dabei, daß in den Erklärungen von Politikern und Notenbankgouverneuren oft Meinung und Hoffnung kaum zu unterscheiden sind. „Mit dem nun erreichten Niveau des Dollarkurses können wir gut leben“, meinte/hoffte etwa Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg, als der Dollar im Dezember 1985 unter 2,50 Mark fiel. Der Chef der Deutschen Bundesbank, Karl Otto Pöhl, sah das damals genauso. Doch seitdem ist die amerikanische Währung für die Deutschen noch einmal zehn Prozent billiger geworden, und Pöhl fand es vor einigen Tagen in Israel nur noch erstaunlich, daß das schnelle Abgleiten des Dollarkurses nicht außer Kontrolle geriet. Wer kann da von Orientierungshilfe reden?

Noch viel schwieriger ist es, das Meinungswirrwarr im Land des Dollars selbst zu ordnen. Paul Volcker, Präsident der amerikanischen Notenbank, warnte erst kürzlich vor dem Bankenausschuß des US-Senats vor einem weiter sinkenden Dollarkurs. „Dadurch könnte die Inflation in Amerika wieder angeheizt werden, und das wäre die größte Bedrohung für die Wirtschaft“, meinte Volcker, einer solchen Entwicklung werde die Notenbank mit Sicherheit nicht tatenlos zuschauen.

Ein sattes Polster in USA

Volckers Sorgen scheinen hingegen einige Mitglieder der Reagan-Regierung nur wenig zu beeindrucken. Finanzminister James Baker unterrichtete jedenfalls die Senatoren auf derselben Veranstaltung, daß er einen noch niedrigeren Dollarkurs nicht ungern sähe. Starke Unterstützung fand Baker bei einem anderen Protagonisten der amerikanischen Wirtschaft, dem Handelsbeauftragten der US-Regierung, Clayton Yeutter. So sehr sich die Finanzwelt auch bemüht, einen ruhenden Pol in der Währungshektik kann sie nicht ausmachen.