München: „Haller von Hallerstein in Griechenland.“

Im Jahre 1810 war die Reise nach Griechenland noch ein Abenteuer – der französische Truppentransporter, der Haller und seine Reisegesellschaft von Ontranto nach Korfu bringen sollte, erlitt denn auch prompt kurz nach dem Auslaufen Schiffbruch – und abenteuerlich war auch das Reisen in diesem Land, das damals zum osmanischen Reich gehörte. Dafür bewegte sich der an der Landschaft und an den Altertümern Interessierte noch in einer Terra incognita. Nicht einmal die antiken Denkmäler in Athen waren richtig erforscht und ein Ausflug auf die Peloponnes wurde zur Entdeckungsfahrt. Carl Freiherr Haller von Hallerstein (1774-1817), ein Architekt, der so gut wie nichts gebaut hat – seine grandiosen Entwürfe für die Münchner Glyptothek und die Walhalla, Visionen einer wiederauferstandenen Antike, blieben nicht zu verwirklichende Utopien stand staunend vor dem Löwentor in Mykene und erlebte den in der Einsamkeit aufragenden Tempel von Bassae als eine Art Wunder. Die Zeichnungen, die er vor Ort anfertigte, vermitteln selbst heute noch etwas von der Faszination der Begegnung mit Bauwerken, deren Existenz ihm bislang nur aus Büchern bekannt war. Haller und seine Freunde beabsichtigten eine wissenschaftliche Publikation über Griechenland, die in der geplanten Form allerdings nie erschienen ist. Der frühe Tod Hallers, der seine Arbeit nicht vollenden konnte, war eine der Ursachen für das Scheitern des Projektes. Dadurch blieb aber auch lange Zeit unbekannt, daß Haller, der auch als Kunstagent des bayerischen Kronprinzen Ludwig in Griechenland fungierte (er hat die Skulpturen des Aphaia-Tempels auf Ägina, die er entdeckt und ausgegraben hatte, nach München vermittelt), der eigentliche Begründer der archäologischen Bauforschung war. Auf diesen Aspekt seiner Tätigkeit weist die Ausstellung besonders hin – Haller war auf diesem Gebiet ein wirklicher Pionier. (Palais Preysing der Bayerischen Vereinsbank bis zum 15. März, anschließend im Albrecht-Dürer-Haus, Nürnberg, vom 22. März bis 11. Mai, und im Antikenmuseum Berlin, vom 14. Juni bis 31. August; Katalog 29,– DM.) Helmut Schneider