Norbert Henke, Vorstandsvorsitzender des Bremer Vulkan-Werften-Verbundes, hat alle Hände voll zu tun, um sich des Klatsches um sein Unternehmen zu erwehren. Seit bekannt wurde, daß der 25-Prozent-Anteil des Landes Bremen an Vulkan und der 12-Prozent-Anteil von Hapag-Lloyd mit „ansehnlichem Gewinn“ an eine Schweizer Bank verkauft wurden, brodelte es in der Gerüchteküche.

Man munkelte, die Aktien seien als Paket über den Tisch gegangen. In der vergangenen Woche galt gar als sicher, daß der Münchner Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) die Anteile aufgekauft hätte; MBB suche heimlich schon seit Monaten nach einer deutschen Werft.

Gespannt warteten Aktionäre, Werftarbeiter und Politiker nun auf die Hauptversammlung von Vulkan am Dienstag dieser Woche. Doch alle Spekulanten wurden enttäuscht: Weder MBB noch sonst ein Großaktionär war zur Eimerkonferenz erschienen. Und auf die wiederholten Fragen über mögliche Aufkäufer wie Daimler-Benz oder Siemens, kam nur Henkes Antwort: „Ich weiß es nicht.“ Dann wurde beschlossen, das Grundkapital von 88 auf 154 Millionen Mark zu erhöhen.

Wer immer zu den heutigen und zukünftigen Vulkan-Aktionären gehört, kann zufrieden sein: Die zum Unternehmen gehörenden Werften Lloyd und Schichau Unterweser AG in Bremerhaven und selbst die siebzigprozentige Vulkan-Tochter Neue Jade-Werft in Wilhelmshaven sind mit zum Teil sensationellen Aufträgen ausgebucht bis ins nächste Jahr. Vulkan selbst hat jetzt vom Bundesverteidigungsministerium die Order bekommen, zwei neue Fregatten für die Bundesmarine zu bauen.

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Als Klaus Barthelt, der Vorstandsvorsitzende der Siemens-Tochter Kraftwerk Union (KWU) in der vergangenen Woche das Geschäftsjahr 1985 vor der Presse erläuterte, ging er auch auf die Aussichten im Fernen Osten ein: „Auf den fernöstlichen Märkten Japan und China, die wir nach wir vor für sehr interessant halten, haben wir gelernt, daß die Dinge viel langsamer reifen, als uns das lieb ist. Trotzdem hoffen wir, daß unsere intensiven Bemühungen letztlich erfolgreich sein werden, obwohl vieles davon nur in den Sternen steht und nichts peinlicher ist, als zu früh Hurra zu schreien.“

Nun hat es in China für die KWU – vielleicht schneller als es Barthelt lieb war – einen Rückschlag gegeben: Die Lieferung von zwei Kernkraftwerken mit je eintausend Megawatt Leistung, auf die die KWU hoffte, ist vorerst in die Ferne gerückt. Die Chinesen winkten ab; es fehle an Geld.