Stark muß er nicht sein. Ich weiß nicht, warum die Leute glauben, daß ein guter Masseur ein Kraftpaket sein muß. Haben die wohl aus dem Fernsehen. Bei „Dick und Doof“ ist eine Massage dann geglückt, wenn der andere ordentlich schreit. Nein, auf die Hände kommt es an. Die Größe ist egal, aber warm sollten sie sein. „Kalte Hände, Fischnatur – von der Liebe keine Spur“, sagt gestern einer zu mir. Da ist etwas dran. Im Moment sind meine Hände etwas schwitzig, vor Aufregung, weil meine Frau im Krankenhaus liegt, wir kriegen ein Kind. Aber sonst: trockene, warme Hände.

Sobald jemand hört, daß ich Masseur bin, heißt es gleich: „Hier tut’s weh“ und „Kannst du mal“. Ein ideales Feld für Schwarzarbeit, aber privat mache ich jetzt nur noch meine Eltern. Den anderen empfehle ich den Arztbesuch. Meist ist dann eine Rückenmassage drin. Beine und Arme zahlen die Krankenkassen ja nicht mehr.

Wir behandeln hauptsächlich Frauen, das mag an den Hormonen liegen, an den Wechseljahren. Die Männer haben es meist mit der Bandscheibe. Einige haben auch gar nichts. Die wollen nur krankgeschrieben werden.

Von den Patienten mag ich die schlanken, sportlichen am liebsten. Die Dicken haben so schwabbliges Bindegewebe, die kriegen leicht blaue Flecken und beschweren sich dann. Bei den Dünnen ist man gleich durch bis auf die Knochen, das macht keinen Spaß. Zu muskulös ist auch schlecht, da findet man nichts wieder. Am besten ist das Mittelmaß.

Glaubt man kaum, aber es gibt tatsächlich Leute, die kommen hier ungewaschen an. Denen gebe ich erst einmal den Tip, zu Hause in der Badewanne etwas für die Durchblutung zu tun. Kräftige Bürstenmassage, besonders auf dem Rücken.

Oder Schweißfüße... Niemand kann etwas für Käsemauken, und man muß hier nun einmal die Schuhe ausziehen, aber wir sind dann gezwungen, bei offenem Fenster zu arbeiten.

Viele Frauen haben Angst, sich auszuziehen. Die legen sich tatsächlich mit dem Unterhemd auf die Liege. Oder umgekehrt: Die Kollegin ruft, „Rücken frei“, und der Kunde läßt gleich den Slip mitfallen. Den Unterschied zwischen Masseurin und Masseuse kennt nicht jeder. In der Großstadt jedenfalls nicht.