Banken: Kein Mangel an interessanten Papieren

Das Klima in den deutschen Börsensälen ist wieder freundlicher. Der Schwächeanfall des Dollars, der letztlich für die rückläufigen Aktienkurse verantwortlich war, verliert zunehmend seinen Einfluß auf die Stimmung der Börsianer. Und das zu Recht. Die deutschen Zinsen sind mittlerweile auf den tiefsten Stand seit etwa acht Jahren gefallen, und der Ölpreisverfall ist ein willkommenes Konjunkturprogramm. So raten denn auch die meisten Banken im Lande auf dem gegenwärtigen Kursniveau zum Kauf ausgesuchter Qualitätstitel.

Als ein solches Papier bezeichnet die ADCA-Bank die Aktie von Altana. Der Schwerpunkt dieser Holding-Gesellschaft liegt in den Bereichen Pharmazeutika und Diäthetika. Mit der Übernahme von 85 Prozent der im Bereich Datentechnik arbeitenden Deutsche Atlanten fand Altana auch den Einstieg in den zukunftsträchtigen Dienstleistungssektor. Aber auch das traditionsreiche Geschärt soll in den nächsten Jahren stark wachsen, wenn neue Pharmapräparate an den Markt kommen. International arbeitet Altana mit dem amerikanischen Konzern Smith Kline Backman erfolgreich zusammen. Die Wertpapierexperten der ADCA-Bank rechnen für 1986 mit erneut steigenden Erträgen und gleichzeitig mit einer Anhebung der Dividende. Deshalb stufen sie die Altana-Aktie auch als kaufenswert ein.

Phoenix im Aufwind

Ein „Aufstieg aus der Asche“ ist für die Wertpapierexperten der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank die Kursentwicklung des Gummi- und Schaumstoffherstellers Phoenix. Sie begründen ihr positives Anlegerurteil mit der Trennung des Unternehmens von der verlustreichen Reifenproduktion und dem stark gewachsenen Zuliefergeschäft für die Autoindustrie, wodurch die Hamburger bereits 1981 in die Gewinnzone zurückkehrten. Seitdem haben sich die Ergebnisse weiter gebessert. Neuen Schwung brachte das vergangene Geschäftsjahr, in dem sich der Umsatz um 16 Prozent erhöhte. Obwohl der starke Aufwärtstrend in der Automobilbranche Phoenix erheblich verbesserte Erträge bescherte, hat sich der Aktienkurs nach Meinung der bayerischen Bank nur unterproportional entwickelt und daher noch viel Spielraum nach oben.

An den hohen Börsenumsätzen in Wall Street verdienen vor allem die amerikanischen Brokerhäuser. Das ist für die Deutsche Genossenschaftsbank (DG Bank) Grund genug, ihre Kunden auf die Aktie der Wertpapierfirma Merrill Lynch aufmerksam zu machen. Das größte Brokerhaus der Welt erweitert ständig seine ohnehin schon umfangreiche Anlagepalette und hat bereits 1985 glänzend verdient. In den zurückliegenden Monaten kamen Gerüchte auf, wonach der Branchenprimus übernommen werden soll. Solche Spekulationen haben den Aktienkurs von Merrill Lynch zeitweise kräftig ansteigen lassen. Als Kaufinteressenten wurden so renommierte Namen wie Chrysler, IBM und der Versicherer Aetna Life genannt. Bislang ist es jedoch nicht zu konkreten Verhandlungen gekommen: Neben der Übernahmephantasie dürften der DG Bank zufolge die weiterhin günstigen Aussichten für das laufende Geschäftsjahr die Merrill-Aktie beflügeln. Allerdings weisen die Frankfurter darauf hin, daß der Brokertitel größeren Kursschwankungen unterworfen ist und sich daher eher für risikofreudige Anleger eignet.

Zur Depotbeimischung empfiehlt die Westdeutsche Landesbank (West LB) das Papier des Automobilzulieferers Ymos, das erst im Mai 1984 an der Börse eingeführt wurde und seinen Aktionären schon viel Freude bereitet hat. Der Produzent von Kunststoff- und Metallteilen für die Automobilindustrie wird auch das im Juni 1986 zu Ende gehende Geschäftsjahr hervorragend abschließen Aufgrund der Rationalisierungserfolge und der hohen Kapazitätsauslastung erwarten die West-LB-Analysten eine weitere Ergebnisverbesserung Rund zwei Drittel der Lieferungen entfallen auf Personenkraftwagen der mittleren und gehobenen Klasse. Mit Blick auf den bunten Produktionsfächer und die günstigen Perspektiven für die Automobilhersteller billigt die West LB dem Unternehmen Wachstumschancen ein, was sich entsprechend positiv in der Kursentwicklung von Ymos niederschlagen sollte.