Autos mit Dieselmotor sind gefragter denn je zuvor – Minister Zimmermann reklamiert das als seinen Erfolg

Es ist die liebste Beschäftigung jedes Politikers, eigene Erfolge zu verkünden. Aber nicht jeder Politiker geht dabei so weit wie Umweltminister Friedrich Zimmermann. Weil er nicht viel vorweisen kann, was dem Wahlvolk imponiert, greift er öfter mal in die große Kiste seiner Flops – und behauptet mit unübertreffbarer Chuzpe: Seht her, das ist ein Erfolg.

Um dem kranken Wald zu helfen und ein generelles Tempolimit zu vermeiden, wollte Zimmermann die Benzinautos schnellstmöglich, und das heißt mit Hilfe eines Katalysators, entgiften. Daran ist der forsche Minister nun dreimal gescheitert. Beim erstenmal mußte Zimmermann einen deutschen Alleingang in Europa erfolglos abbrechen, dann handelten ihm die EG-Partner in Brüssel den Katalysator praktisch ab.

Schließlich versuchte er es über die deutsche Automobilindustrie, die der Kundschaft gefälligst Katalysator-Wagen verkaufen solle. Zur Bekräftigung winkte Zimmermann mit dem Tempo-Hundert-Schild. Es hat kaum etwas genützt: Die deutschen Autofahrer wollen Zimmermanns Entgifter nicht. Ende Januar dieses Jahres gab es erst rund siebzigtausend Katalysator-Autos auf deutschen Straßen, weniger als drei Prozent aller seit Anfang 1985 zugelassenenen Personenwagen.

Wie kann ein Politiker aus derart trostlosen Zahlen dennoch einen Erfolg machen? Ganz einfach: Zimmermann strich das belastende Wort Katalysator aus seinem Sprachgebrauch und redet jetzt nur noch von schadstoffarmen Wagen. Denn dazu zählen – merkwürdig genug – nach den Brüsseler Beschlüssen vom Juli vergangenen Jahres auch Autos mit Dieselmotor. Und Personenwagen mit diesem Antrieb erfreuten sich 1985 besonders hoher Beliebtheit.

Beinahe jedes dritte Auto, das derzeit neu auf hiesigen Straßen rollt, ist ein Dieselmodell; 1984 hatten Selbstzünder nur einen Anteil von dreizehn Prozent. Im vergangenen Jahr fanden beinahe 440 000 – also gut 18 Prozent – „schadstoffarme“Dieselautos einen deutschen Käufer. Zimmermann hält sie alle für umweltfreundlich und addiert sie flink zu den sauberen, also nach US-Norm gereinigten, und halbsauberen Benzinern, auch wenn sie lediglich der laschen EG-Norm genügen. So kann der Minister ahnungslosen Zuhörern weismachen, daß das Umweltauto ein Erfolg ist: „Es liegt schon über unseren Erwartungen für 1985 von bereits 25 Prozent der Zulassungszahlen.“

Aus Sorge, den mitunter heftig reagierenden Innenminister nicht zu verärgern, macht längst auch die deutsche Automobilindustrie bei diesem Etikettenschwindel mit. In einer geraden laufenden Anzeigenkampagne des Verbandes (Entscheiden Sie sich für ein „sauberes Auto“) kommt das Wort Katalysator nicht ein einziges Mal vor. Und Zahlen über bislang zugelassene Katalysator-Fahrzeuge will der Verband auch nicht nennen.