Mit versteckten und offenen Rabatten versucht ein Großteil der deutschen Hotellerie mehr Gäste zubekommen.

Sie sind alle kleine Sünderlein – und sie wissen es. Jeden Tag handeln unzählige deutsche Hoteliers wettbewerbswidrig, verstoßen gegen das Rabattgesetz oder die Zugabeverordnung. Doch nicht die Lust am Gesetzesbruch oder die schiere Raffgier läßt die Bettenanbieter der Republik Ordnungswidrigkeiten am laufenden Band begehen, sondern die gigantisch aufgeblähte Bettenkapazität zwischen Flensburg und Füssen: Wer nicht rabattiert, bleibt auf seinen Schlafstellen sitzen. Bernd Geyer, Geschäftsführer der „Fachgruppe Hotels und verwandte Betriebe“ im „Deutschen Hotel- und Gaststättenverband“ (Dehoga): „Kürzlich ist geschätzt worden, daß kaum mehr als 20 Prozent der Hotelgäste noch die normalen Logispreise zahlen.“

Nirgendwo sind zum Beispiel jene Stand-by- oder „Mondschein-Tarife ausgehängt, die – von Hotel zu Hotel verschieden – ab einer bestimmten Uhrzeit an der Rezeption gewährt werden. Motto: Je später die Nacht, desto billiger das Bett. Das freut die Kunden, aber diese Reduzierungen sind unzulässig. Ebenso die Hotelierspraktiken, Kreditkarteninhabern, Mitgliedern von Autoklubs oder Mitgliedern anderer Verbände Sonderrabatte zu gewähren. Das ruft unerbittlich den „Dehoga“ auf den Plan, wie jüngst der AvD zu spüren bekam, ebenso wie etliche Vertragshotels des Autoklubs, die AvD-Mitgliedern Nachlässe gewähren wollten. Geyer: „Das haben wir voll abbiegen können.“ Aber nur, weil der AvD voll in die Werbetasten gegriffen hatte.

Versteckter gehen jene Hoteliers vor, die diskret Pauschalangebote mit bestimmten Personengruppen vereinbaren (siehe oben) und somit ebenso gegen die Mengenrabattgewährung außerhalb der Handelsüblichkeit verstoßen. Mengenrabattgewährung nämlich ist an eine bestimmte Zahl von Übernachtungen geknüpft, die im vorhinein fest abgenommen werden müssen. Zum anderen muß die Rabattgewährung handelsüblich sein. Beide Kriterien jedoch sind dehnbar und schwer kontrollierbar, denn wer zum Beispiel kann nachweisen, daß die Firma X, die 1000 Übernachtungen fest gebucht hat, auch wirklich dieses Soll erfüllt. „Verstöße gegen die Mengenrabattgewährung“, sagt Geyer, „sind die Hauptverstöße in unserer Branche.“

Kaum in den Griff zu kriegen sind auch die Praktiken von Hotelgästen, die sich als Mitarbeiter einer Firma ausgeben, die in bestimmten Hotels Preisnachlässe eingeräumt bekommt. Kein Rezeptionist wird den Gast fragen, ob er nun tatsächlich der Mann dieses Unternehmens ist oder nicht.

Versteckte Rabattierungen (ebenso unzulässig) sind auch die Usancen vieler Hotels, nur bestimmten Personengruppen einen besonderen Service angedeihen zu lassen – zum Beispiel Airline-Crews nicht billiger, dafür aber in besseren Zimmern schlafen zu lassen. Upgrading zum Nulltarif, lautet die Losung.

Damit aber ist die List der Hoteliers noch nicht erschöpft. In letzter Zeit häufen sich die „Kommmit-Angebote“, die sich an den Geschäftsmann richten, der doch bitte seine Ehefrau ins Schlafgemach mitbringen soll. Spekulation der Hoteliers: Erhöhter Nebenkostenumsatz des Paares in Bars und Restaurants des Hotels. Unzulässig allerdings sind diese Angebote nur, wenn das (generell strafbare) Wörtchen „kostenlos“ im Werbetext oder Angebotsschreiben auftaucht. Sauber indes bleibt der Hotelier, wenn er sagt, das Doppelzimmer wird zu einem Festpreis hergegeben, egal ob nun eine Person oder zwei Personen die Matratzen teilen.