Teilzeitarbeit kann sich ungünstig auf den Versicherungsschutz auswirken

Von Andrea Ruby

Den Bedürfnissen der Arbeitnehmer wollte Bundesarbeitsminister Blüm entgegenkommen. Mit seinem Beschäftigungsförderungsgesetz, das am 1. Mai 1985 in Kraft trat, werde „die Teilzeitarbeit vom Odium des Arbeitsverhältnisses zweiter Klasse befreit“, verkündete der Arbeitsminister stolz. In dem Gesetz werde deshalb die unterschiedliche Behandlung von Teilzeit- und Vollzeitarbeitnehmern verboten.

Kritischen Betriebsräten und skeptischen Unternehmern versuchte er die Teilzeitjobs mit griffigen Formulierungen schmackhaft zu machen. Weniger Arbeitszeit von der Stange, mehr Arbeitszeit à la carte hieß seine Devise. Den Leserinnen einer Hamburger Frauenzeitschrift stellte er sich gar als „Arbeitsminister der Emanzipation“ vor, und in einer Broschüre zum Beschäftigungsförderungsgesetz beschreibt er Teilzeitarbeit als die Chance, „den Arbeitsrhythmus mit dem Lebensrhythmus zu versöhnen. Mehr Flexibilität und Beweglichkeit hilft beiden: den Arbeitgebern und Arbeitnehmern.“

Von den Problemen, die eine verringerte Arbeitszeit mit sich bringt, war nicht die Rede. Teilzeitarbeit kann den Sozialversicherungsschutz nämlich gefährden. In einem Forschungsbericht des Arbeitsministeriums werden zwar auch diese Fragen behandelt, zum Beispiel die Auswirkungen der Teilzeitarbeit auf die spätere Rentenhöhe. Aber die Verfasser wiegeln schon im Vorwort mit dem offenbar beruhigend gemeinten Hinweis ab, daß auf diesem Gebiet selbst Fachleute noch unsicher seien.

Sicher ist allerdings eines: Das Recht der gesetzlichen Sozialversicherung geht noch immer vom „Normalarbeitsverhältnis“ aus. Es orientiert sich unbeirrt am Leitbild des ununterbrochen „vollzeiterwerbstätigen“, alleinverdienenden (männlichen) Familienvorstandes. Das bedeutet zunächst einmal: Nur Arbeitsverhältnisse oberhalb einer monatlichen Mindestverdienstgrenze sind sozialversicherungspflichtig. Aber auch wer mehr als diese 400 Mark im Monat verdient, zahlt nicht automatisch Sozialbeiträge, denn die Beitragspflicht der gesetzlichen Sozialversicherungen ist an Mindestarbeitszeiten gebunden. Und damit sind auch Rente, Arbeitslosen- und Krankengeld mit der Dauer und der Lage der Wochen-, Monats- und Lebensarbeitszeit verknüpft.

Gesetzt den Fall, die „Durchschnitts“-Angestellte (statistisch gesehen) Inge Peters spielt mit dem Gedanken, statt voll „teilzeit“ zu arbeiten, dann muß sie sich über folgendes im klaren sein: Arbeitet sie weniger als zwanzig Stunden in der Woche, fällt ihre Arbeitslosenversicherung weg, und im Fall von Arbeitslosigkeit bekommt sie kein Arbeitslosengeld. Wenn sie pro Woche nur bis zu zehn Stunden arbeitet, fällt auch ihr Anspruch auf Lohnfortzahlung weg, wenn sie einmal krank wird. Wählt Frau Peters eine Teilzeitform, bei der sich Arbeits- und Freizeiten abwechseln, sie also nicht täglich ins Büro geht, kann das auch die Höhe ihrer Ansprüche an die Sozialversicherung verringern und sogar den gesamten Leistungsanspruch gefährden, wenn nämlich durchgängige Warte- und Anwartschaftszeiten nicht erfüllt werden.