Deutschland, so hatte es einmal Gustav Heinemann gesagt, ist eines der schwierigsten Vaterländer. Auch hartgesottene Patrioten werden nicht widersprechen, wenn sie an die vielfältigen Tücken ihrer Muttersprache denken, die vor allem dann zutage treten, wenn sie sich derselben in der Schriftform bedienen sollen. Selbst Kultusminister und andere Personen kommen bei Diktatproben ins Schwitzen, mit denen zumindest in bildungspolitisch noch intakten Landstrichen der Nachwuchs an die Akademikerarbeitslosigkeit herangeführt wird.

Für die Richter am Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz freilich ist der Duden noch ganz in Ordnung. Sie sprechen nach wie vor Recht ohne Rechtschreibereform. Folglich darf ein Tunesier, der seit 14 Jahren in der Bundesrepublik lebt und der auch tapfer deutsch spricht, nicht Deutscher werden. Denn am richtigen Schreiben hapert es in seinem Falle noch. Aber zur Einbürgerung gehöre auch, so sprachen die Richter, daß der Bewerber die deutsche Schriftsprache in dem Maße beherrsche, wie dies von Personen seines Lebenskreises und Bildungsstandes erwartet werde. Offenbar wollte der Mann in Richter- und Ministerkreisen verkehren.

Wir normalen Deutschen aber müssen, sollte dieses Urdeil Schuhle machen, aufgrund unserer Diktatfähler balt um unseren felschungssicheren Ausweihs fürchden. Wenn das so weitergeht, wird aus unserem Einwanderunks- bald ein Außbürgerunkslant. rl