Von George Turner

Hitlisten für Hochschulen, kann es so etwas geben? Kann man überhaupt Universitäten, Fakultäten, Fächergruppen oder Fächer, auch Wissenschaftler miteinander vergleichen? Wenn es um die Leistung geht, ist ein Vergleich auf Universitätsebene schon wegen der unterschiedlichen Lehr- und Forschungsangebote und Forschungstraditionen kaum möglich. Allenfalls können Hochschulen mit sehr ähnlichem Profil einander gegenübergestellt werden.

Doch schon bei „alten“ und „jungen“ Universitäten oder Fakultäten kommt man ins Schleudern. Erwartungsgemäß schneiden die jüngeren Einrichtungen schlechter ab, da diese sich erst noch konsolidieren mußten und in bezug auf einige Indikatoren (die Zahl der Doktoranden zum Beispiel) zwangsläufig ins Hintertreffen geraten.

Die Erfahrung zeigt, daß hohe Leistungen, vor allem in Hinblick auf Forschung und Publikationen, in der Regel auf den Einsatz einiger weniger Fakultätsmitglieder zurückzuführen sind. Dadurch wird sogleich der Durchschnitt angehoben. So kann man nachweisen, daß die Hälfte aller wissenschaftlichen Produkte von einem relativ kleinen und stabilen Kern von Wissenschaftlern erarbeitet wird. Abgesehen davon, daß „Publikationshäufigkeit“ nicht unbedingt ein Maßstab für Qualität sein muß, führt dieses Kriterium zu erheblichen Schwankungen, wenn nicht alle Mitglieder einer Fakultät, sondern nur eine Auswahl untersucht wird.

Wie also ist es mit der Bewertung von Forschung und Lehre? Hier muß nach qualitativen und quantitativen, hochschulinternen und hochschulexternen, objektiven und subjektiven Kriterien unterschieden werden. Will man zu halbwegs brauchbaren Ergebnissen gelangen, kann man auf den Vergleich vieler Indikatoren nicht verzichten. Das Urteil über die „Lehre“ könnte sich auf nachprüfbare Fakten (Verhältnis Studienanfänger zu Absolventen, Studienbewerber zu vorhandenen Plätzen, Lehrpersonal zu Studenten und so weiter) und persönliche Einstufungen (Studenten- und Absolventenmeinungen) stützen.

Aus nur einem Merkmal läßt sich nichts ableiten. Natürlich kann man Personalleiter von Unternehmungen nach ihrer Einschätzung von einzelnen Universitäten fragen. Doch spielen hier subjektive Urteile eine Rolle: Qualität, wie sie sich in der Auffassung anderer Leute spiegelt, was aber nicht unbedingt etwas mit der eigentlichen Leistung zu tun haben muß. Sicherlich muß Leiauch „verkauft“ werden, doch darf sie nicht Imagepolitik ersetzt werden. Sonst könnte es sein, daß psychologische Anbiederungsstrategien Platz greifen und die weniger spektakuläre theorieorientierte Forschung in ihrem Wert völlig unterschätzt wird.

Zu den objektiven Kriterien, die etwas über die Qualität von „Forschung“ aussagen könnten, werden als Indikatoren gezählt: