Wie raffiniert schien doch die Bonner SDI-Politik noch vor einem Jahr. „Wenn wir jetzt bereits sagen, wir machen beim Forschungsprogramm definitiv mit, dann würden wir uns zu billig verkaufen bei unseren Freunden in den USA“, formulierte Horst Teltschik, der außenpolitische Berater des Kanzlers damals. Inzwischen ist der Bonner Spielraum auf Null geschrumpft.

Der Grund: Bonn konnte sich nicht zu einer klaren Politik durchringen. Dem Weltraumprogramm Reagans wollte die Bundesregierung nicht völlig zustimmen, ihm aber auch keine klare Absage erteilen. Der deutschen Industrie sollte der Zugang zu Aufträgen des Pentagons verschafft werden, aber nicht auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. Da schien ein Rahmenabkommen über technische Zusammenarbeit ein verlockender Ausweg in die Unverbindlichkeit.

Von Anfang an war freilich klar, daß für Washington ein solches Abkommen nur einen Sinn hat: den deutschen Verbündeten politisch an die SDI-Kandare zu nehmen. Bonn hat sich darauf eingelassen; jetzt kann es ohne schweren Schaden nicht mehr zurück, auch wenn der erhoffte technische Bonus sich als Illusion erweist. Ach, wären wir doch nicht so raffiniert gewesen. cb