Es fällt nicht leicht, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Doch wenn sich Franz Josef Strauß nicht noch anders besinnt, ist die Sache unabwendbar: Daimler-Benz muß verstaatlicht werden.

Mehr noch. Der hochprofitable Stuttgarter Automobilkonzern wird nicht die einzige Zierde der deutschen Industrie sein, die früher oder später in öffentlichen Besitz übergehen muß. Bayer und Porsche, aber auch Krupp, Rheinmetall, Krauss-Maffei und Kühne & Nagel – sie alle dürfen nicht länger den Risiken privaten Wirtschaftens ausgesetzt bleiben.

Auf jedes dieser Unternehmen nämlich sind die Argumente und Motive anwendbar, mit denen der bayerische Ministerpräsident ausdauernd ein essentielles wirtschaftspolitisches Vorhaben der konservativen Regierung in Bonn blockiert: die Privatisierung von Unternehmen aus dem Staatsbesitz.

Die mannigfaltige Entfesselung unternehmerischen Schwungs nach Jahren drückender staatlicher Gängelung, das war 1982 eines der schlichten Versprechen, mit denen Union und Lambsdorff-Liberale die wirtschaftspolitisch uneinige SPD/FDP-Regierung ablösen konnten. Die Entstaatlichung der Industrie – Margaret Thatcher hatte in Großbritannien das neokonservative Muster dazu schon geliefert – war ein Kernpunkt in Helmut Kohls erster Regierungserklärung.

Doch bei den forschen Losungen ist es geblieben. Taten lassen bis heute auf sich warten. Nur seine Beteiligung an der Veba verminderte der Bund 1983 von 43,75 auf dreißig Prozent. Daß das Unternehmen seither durch entfesselte Dynamik auffällt, kann man nicht sagen.

Finanzminister Gerhard Stoltenberg durfte überdies eine Liste von dreizehn der verbliebenen knapp fünfhundert Unternehmen mit Bundesbeteiligung zusammenstellen, von denen Bonn vielleicht Anteile abgeben will. Darunter sind Volkswagen und die Lufthansa, die Deutsche Pfandbriefanstalt, die Deutsche Verkehrs-Kredit-Bank und die Spedition Schenker.

Die Liste wird seither geprüft und geprüft und geprüft. Ein Klüngel von Politikern und Ministerialbürokraten, der seine Pfründe in den Aufsichtsräten der Staatsfirmen nicht missen möchte, hat Taten bisher verhindert. Sein prominentester Sachwalter ist Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß.