Sie werden immer mehr, die Leute, die per Flugzeug von Friedrichshafen nach Oberpfaffenhofen fahren. Oder von Münster nach Frankfurt, von Stuttgart nach Amsterdam. Allein von 1984 auf 1985, so schätzt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), ist die Zahl der Passagiere, die sich mit einem der regionalen Carrier durch die Lüfte befördern ließen, um rund 30 Prozent gestiegen.

Die ADV, in der sich die elf internationalen Verkehrsflughäfen mit 26 regionalen Flugplätzen zusammengefunden haben, führt eine monatliche Statistik über diesen wachsenden Markt. Berücksichtigt werden darin alle Strecken, auf denen nur kleine Maschinen mit durchschnittlich 30 Sitzplätzen unterwegs sind.

Die nebenstehende Graphik zeigt den Stand der Strecken, der wöchentlichen Flüge und der beförderten Passagiere vom Februar 1986 – wobei zu berücksichtigen ist, daß es sich bei der Zahl der Fluggäste um eine Schätzung handelt, basierend auf einer Hochrechnung für zwölf Monate, nicht etwa um die tatsächlichen Werte vom vergangenen Jahr. Die sind, was die Passagiere betrifft, laut ADV präzise gar nicht zu ermitteln – denn auf den Flughäfen wird oft doppelt nach „Zusteigern“ und nach „Aussteigern“ gezählt. Fest steht freilich, daß die Zahl der In- und Auslandsstrecken seit ein paar Jahren kräftig steigt. Den insgesamt 65 Routen, die es derzeit gibt, standen 1984 nur 48 gegenüber, 1983 waren es erst 32 und vor neun Jahren gar lediglich 17 Strecken.

Auch in diesem Jahr wird das Wegenetz noch dichter gesponnen: Voraussichtlich bereits im April werden zehn bis fünfzehn zusätzliche Strecken eröffnet, bis Dezember sollen es dann insgesamt zwischen 90 und maximal 100 sein.

Für den Inlandsverkehr bieten gegenwärtig sechs deutsche und zwei ausländische Luftverkehrsfirmen ihre Dienste an, für Auslandsflüge stehen ebenfalls sechs deutsche, darüber hinaus noch elf ausländische Unternehmen zur Verfügung. Geflogen werden nach der ADV-Tabelle am häufigsten die Fokker F27 (21,7 Prozent) und der Fairchild Metroliner (35,4 Prozent).

Durchschnittlich finden in jedem Flugzeug 29 Passagiere Platz, sie legen im Inland durchschnittliche Enfernungen von 324 Kilometern, im Ausland von 433 Kilometern zurück. Gerade auf solchen mittleren Entfernungen, meint die ADV, bringt das kleine Flugzeug dem Reisenden den größten Zeitgewinn. Nach den Berechnungen ihrer Experten beträgt nämlich die Reisezeit für etwa 400 Kilometer „von Tür zu Tür“ rund 180 Minuten. Mit der Bahn benötigt man für 400 Kilometer (sie entsprechen etwa der Verbindung Hamburg-Wuppertal) selbst im Intercity mehr als vier Stunden, Zu- und Abgang nicht mitgerechnet.

Besonders Geschäftsreisende nützen diesen Bonus, weil sie damit aus so mancher mehrtägigen Fahrt leicht eine eintägige Tour machen können.

Die Zuwächse im Regionalverkehr gehen indessen keineswegs zu Lasten der Bahn. Die ADV bezeichnet das zusätzliche Flugaufkommen als „Neuverkehr“, die neuen Kunden kommen zum Großteil aus der Gruppe der Autofahrer. me