Ja, unser Schichtdienst geht so: sechs Tage arbeiten, zwei Tage frei, und das über Jahre. Ich kann jetzt schon sagen, ob ich im Jahre 2010 an einem bestimmten Tag frei habe oder nicht. Man braucht diesen Acht-Tage-Rhythmus, weil sonst immer dieselben Leute am Sonntag freihätten.

Erst kommen zwei Spätdienste. Dann fange ich zweimal mittags an, und am Schluß die Frühdienste: von morgens um vier bis um elf. Diese letzten beiden Tage sind kriminell. Da komme ich nach der vierten Schicht abends um sechs nach Hause, soll aber morgens um fünf schon wieder da sein.

Dann bin ich natürlich müde, morgens. Wenn Berufsverkehr ist, geht das ja. Solange andauernd welche einsteigen, aussteigen, was fragen, die Türen aufgehen, kalte Luft reinkommt. Aber morgens um fünf! Da tuckel ich vor mich hin, Heizung volle Pulle – das schläfert ein.

Wenn ich Pause habe, lese ich Zeitung. An den Endhaltestellen kommen die Kollegen mal auf’n Schwätzchen. Mir ist das manchmal gar nicht so lieb. Wenn ich hier montagmorgens mit dem neuen Spiegel sitze und mich auf die erste Pause freue, ja, dann kommt irgendeiner an und will mir seine Wochenenderlebnisse erzählen.

Ich bin mal Taxi gefahren; viele Kollegen sind Lkw gefahren. Eigentlich bin ich Industriekaufmann und wollte etwas anderes machen. Wenn mir einer das gesagt hätte, vor fünf oder zehn Jahren, ich und Busfahren...

Anfangs habe ich mich bemüht, zu den Leuten freundlich zu sein – ein bißchen ist das schon abgeflacht. Manchmal ärgere ich mich: Wenn ich morgens um fünf durch die Gegend fahre, und dann kommt an einer Haltestelle – wo ich vielleicht ein oder zwei Minuten zu spät bin – so eine alte Ziege, die sagt: „Um viertel nach hätten Sie aber hier sein sollen.“

Von der Vernunft her kann ich mir sagen: Die lebt vielleicht gerade in Scheidung, oder der Alte ist heut’ nacht besoffen nach Haus gekommen... Und wen soll sie nun anmeckern? Beim Busfahrer hat sie ja nun einen Grund: Ich bin zu spät. Ich sag’ nichts drauf. Sie hat ja recht.