Da es bei uns überall Bäume gibt, ist der Specht bei uns auch überall zu Hause – gewesen, muß man hinzufügen. Fünf Spechtarten sind es, grob gezählt, die an deutschen Bäumen hämmern und meißeln. Allen voran der Buntspecht, der gewissermaßen dreifach auftritt, als großer Buntspecht, als Mittelspecht und schließlich als Kleinspecht. Laien dürften den Kleinspecht für einen jungen, noch nicht ausgewachsenen Buntspecht halten. Hinzu kommen der Grünspecht und der Schwarzspecht.

Am häufigsten ist auch heute noch der große Buntspecht in Wäldern, in Parks und auch in Gärten anzutreffen. Er kommt im Winter ans Futterhaus, wenn es frei steht. Er ist scheu, schreckhaft und nähert sich nur zögernd dem am Futterhaus hängenden Meisenknödel. Stets klettert er von unten nach oben und niemals, wie etwa der Kleiber, auch kopfüber nach unten. Wenn nach unten, dann rückwärts, so wie ein Mensch die Leiter heruntersteigt.

Im letzten Winter hatte ich zum erstenmal bei zehn Grad minus und einer geschlossenen Schneedecke zugleich drei Buntspechte an meinem Futterhaus. Für die Hälfte eines Meisenknödels braucht ein Specht etwa zehn Minuten. Er klammert sich in das Netz, hackt sich Fett und Kerne heraus, doch immer wieder innehaltend und spähend, um beim geringsten Geräusch oder irgendwelcher Veränderung abzustreichen.

Der Mittelspecht ist in Deutschland selten; Kleinspechte habe ich bisher nur in Schweden gesehen, dort allerdings oft. Sie sind weit weniger scheu als unser Buntspecht.

Doch selbst wenn man den Specht nicht zu sehen bekommt, zu hören ist er im Frühjahr und im Sommer weithin. Einmal, wenn Buntspecht und Schwarzspecht im Frühjahr ihre Nisthöhlen in den Baum schlagen, dann aber auch bis in den Herbst hinein, wenn sie an den Stämmen nach Käfern und Larven suchen und sie hinter der Borke heraushacken.

In der kalten Jahreszeit sind auch die sogenannten „Spechtschmieden“ leicht auszumachen. Hinter einer Hecke in meinem Garten dient seit Jahren ein Holunderstrauch als Spechtschmiede. Es ist der Buntspecht, der in eine enge Astgabel, nur einen halben Meter über dem Boden, Tannenzapfen, Kiefernzapfen, aber auch Haselnüsse einklemmt, um dann die Samen herauszupicken, beziehungsweise die Nußschale zu zertrümmern, um an den Kern zu kommen.

Eine weitere Spezialität der Spechte: Wenn man im Wald an jungen Laubbäumen, aber auch an Fichten, Kiefern und Tannen rings um den Stamm so etwas die Pockennarben sieht, dann ist es ein Specht gewesen, der diesen „Ringelbaum“ auf dem Gewissen hat. Man nimmt an, daß er diese Löcher in den jungen Stamm haut, um den Saft zu trinken, doch diese These ist umstritten, denn er „ringelt“ so schnell, daß aus dem Stamm für ihn eigentlich noch gar kein Saft fließen kann.