In der Wählerberatungsagentur Fuchs herrscht derzeit Hochbetrieb. Ein neuer Kunde trat ein.

„Ja, bitte, Herr ... Bruders?“ „Es geht um meine Stimme.“ „Ja, ja, weiter, bitte ...“ „Ich möchte sie vermarkten, was für mich dabei herausschlagen ...“ „Ich verstehe. Der Schleswig-Holstein-Erfolg der Bauern und seine Folgen...“ „Ihre Stimmenthaltung bringt den Bauern bis zu einer Milliarde an Steuergeldern. So sehr haben sie die Regierung verstört.“

„Wie lief Ihre bisherige Wählerentwicklung, Herr Bruders?“ „Nichtwähler, Stammwähler, später Wechsel- und Wanderwähler. Dann FDP-Leihstimmenwähler. Fortan: Stimmverweigerer.“ „.. erpresset, Pardon, war nicht böse gemeint. Ihr Angebot?“ „Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl.“

Fuchs schüttelte den Kopf. „Mit zwei lumpigen Stimmen wollen Sie die Regierung unter Druck setzen?“ „Ich könnte meine Familie mobilisieren.“ „Was fordern Sie überhaupt von der Regierung, Herr Bruders?“ „Subventionen. Was den Bauern recht ist...“ „Die Stimmenthaltungsdrohung wirkt nur im Kollektiv. Die Frauen z. B....“ „Für eine Geschlechtsumwandlung wäre es bei mir zu spät ...“

„Wenn die Zahnärzte die Regierung geschlossen in die Schranken fordern würden...“ „Auch nicht mein Fall...“ „Sind Sie Beamter? Nein? Schade. Da sähe ich bei einer Stimmverweigerung reelle Chancen, Herr Bruders.“ „Und wenn die Sozialhilfeempfänger, die Rentner und die Arbeitslosen auf diese Masche kommen?“ „Auf deren Stimmen kann Kohl sowieso nicht bauen. Übrigens: Den Bauern wird das Geld nicht geschenkt. Dafür müssen sie was tun!“

„Was?“ fragt Herr Bruders. „Überschüsse produzieren, die ihnen von der Regierung abgekauft werden. Oder sie werden belohnt, daß sie keine Überschüsse produzieren. Ihr Beruf, Herr Bruders?“

„Dichter. Überschüsse zu produzieren, liegt uns Dichtern geradezu im Blut. Wir könnten Lyrik-Halden, Dramen-Berge, Satiren-Schwemmen und Romanstapel, für die kein Silo groß genug wäre, produzieren...“ „Es gibt zwei Millionen Bauern!“ „Wenn alle Gelegenheitspoeten, Hausfrauen, Pseudodichter ihre Werke aus ihren Schreibtischen holen, sind wir mehr. Immerhin sind wir das Volk der Dichter und Denker!“

„Die Dichter und Denker gehören nicht gerade zur Klientel dieser Regierung, Herr Bruders. Wie kann sie sicher sein, daß sich die Dichter für ihren Großmut mit ihrer Stimme erkenntlich zeigen?“ „Wie die meisten Menschen schrecken auch Dichter im Ernstfall vor keiner Schandtat zurück...“