Königlich

Friedrich II.: „Flötenkonzerte und Sinfonien“. Bekannt ist er als „Preußenkönig“, ein Haudegen und Schöngeist, der sich mit Querflöte und Kriegsbeil gleichermaßen Lustgewinn zu verschaffen wußte. Eine sehr widersprüchliche Figur, so spöttelte selbst sein Intimus Voltaire: „Sobald Friedrich eine Provinz erblickte, die ihm gefiel, warf er den Philosophenmantel ab und griff zum Schwert.“ Als Staatsmann ist er nicht unumstritten, und auch von seinen musischen Neigungen, die insbesondere der Flötenkomponist Johann Joachim Quantz förderte, wäre wenig auf die Nachwelt gekommen, hätte es nicht die vielfach verklärte Sternstunde in Potsdam (1747) gegeben, in der der König den Souverän des Kontrapunktes, Johann Sebastian Bach, empfing, um ihn mit einem ad hoc offerierten Thema in der Kunst der freien Improvisation zu testen. Das später gründlich ausgearbeitete Opus ist als „Musikalisches Opfer“ hoch im Kurs. Die schroffe Behandlung indes (kein Dank, nichts an Salär) läßt darauf schließen, daß Person und Werk den königlichen Amateur eher befremdet haben. Der durchgeistigte alte Stil lag dem König nicht, er war der glitzernden Virtuosität der anbrechenden Frühklassik zugetan. Die nur für den Hausgebrauch, nicht zur Veröffentlichung bestimmten Stücke (darunter 121 Flötensonaten, mehrere weltliche Kantaten, Konzerte und Sinfonien) weisen auf den galanten Stil der „Mannheimer Schule“. Und darin mochte der König sich zuweilen selbst mit den Protagonisten Stamitz, Richter, Connabich und Holzbauer messen. Diese Platte, in der Interpretation besser als in der Aufnahmequalität, beweist es ganz klar. (Kammerorchester „Carl Philipp Emanuel Bach“, Dirigent: Hartmut Haenchen, Capriccio 10 064/DDD). Peter Fuhrmann

Annehmbar

Frankie Miller: „Dancing In The Rain“. Als Hard-Rock-Interpret, als der er sich leider auch hier wieder etliche Male versucht, machte dieser schottische Sänger noch nie eine sonderlich gute Figur. Trotz einer Stimme à la Delbert McClinton, die ihm immer einen Ausnahme-Rang unter den Kollegen von der singenden Zunft sicherte, blieb er so etwas wie ein born loser: talentiert wie wenige andere, aber von Selbstzweifeln zerfressen, anstatt darüber nachzudenken, warum er sich nach einigen grandiosen Platten immer wieder in die Obhut von für ihn unpassenden Produzenten begab. Immerhin finden sich hier neben eher routiniertem Mainstream-Rock einige ausnehmend gelungene Aufnahmen von Kompositionen, die seiner soulvollen Reibeisen-Stimme entgegenkamen, so der R & B-Klassiker „Shakey Ground“, das fingerschnippende „You’re A Puzzle I Can’t Put Down“ und das sentimental-balladeske „Gladly Go Blind“. Hätte er beispielsweise Sachen wie „That’s How Long My Love Is“ kompromißlos als Soul à la Otis Redding verstanden und für den Titelsong ein sensibleres Arrangement gefunden, dann wäre „Dancing In The Rain“ wieder eine große Frankie-Miller-LP geworden! Abschreiben würde ich ein solches Talent sowieso nie. (Mercury 826 647-1) Franz Schöler

Symphatisch

Klaus Bößer: „Hotel Bluefields“. Auf einem leider weniger informierenden als gesinnungsmalerischen Beiblatt liest man, daß der Ort Bluesfields, den das Hotel im Namen führt, in Nicaragua liege und „nur per Flugzeug oder über den Rio Escondidos zu erreichen“ sei, rundum Urwald. Aber: „Die Situation der Menschen hier gibt Aufschluß über den eigentlichen Zustand der Welt“, und der ist, wie man weiß, nicht eben ermutigend. Das Erlebnis Nicaragua jedenfalls gab die Anregung zu dieser Schallplatte: Es klingt durch alle Stücke hindurch, nicht nur durch die, die der Gitarrist Klaus Bößer auf klingenden und stumpfen Saiten zupft. Es ist eine wohlgeratene, klangvolle, abwechslungsreiche Musik aus lateinamerikanischen und europäischen Elementen. Sie ist noch in den scheinbar unbeschwerten Stücken nachdenklich und versonnen – man spürt, daß die fünf Musiker (mit Gitarre, Klavier und Cello, Saxophon, Schlagzeug und Baß) das Land und seine Leiden im Sinn haben, nicht nur seine exotischen Reize. Eine schöne ernste, bisweilen impressionistisch malende Musik mit klug dosierten folkloristischen Zügen. (Best.-Nr. 8403; Schnoog Räcords, Keupnerstr. 15, 73 Eßlingen-Berkheim) Manfred Sack