Es geht um die nächsten Wahlen. Und dabei werden die Frauen eine große Rolle spielen.

Die Zukunft ist weiblich" – in den Kleiderschränken altgedienter Feministinnen finden sich noch abgetragene T-Shirts mit dieser Parole aus den ersten Tagen der neuen Frauenbewegung. Diesen Slogan von vorgestern hatten die SPD-Frauen zur 75. Wiederkehr des internationalen Frauentages am 8. März für sich ganz neu entdeckt. Und immer noch ist die Zunicht Gegenwart geworden. Was – außer der grammatikalisch korrekten Aussage – wollen uns die Genossinnen damit andeuten? Daß hier und da und dort, wie im Frühling die Krokusse, sich die Zeichen der Zeit zu zeigen beginnen, die Zeichen einer nahenden weiblichen Zukunft?

Zum Beispiel in Bielefeld: Der Fußball-Profiklub "Arminia" hat die 68jährige ehemalige Bürgermeisterin Gisela Schwerdt zur Präsidentin gewählt. Die Jungs liegen richtig! Freidemokratin Schwerdt, die erste Frau auf so exponiertem Posten, wurde von der Mannschaft als "Hoffnungsträgerin Ostwestfalens" gefeiert.

Oder Hannover: Im Landtag herrschte jüngst ungewohnte Unruhe. Der amtierende Präsident schwang die Glocke: "Meine Damen und Herren, hier handelt es sich um ein in der Öffentlichkeit stark diskutiertes Thema. Sie sollten dem durch mehr Aufmerksamkeit Rechnung tragen." Nun gerade – anhaltende Unruhe. Verständlich, es ging um Frauenquoten und Frauen-Förderpläne, die eine (noch) Männer-Mehrheit gutheißen muß. Denn vor allem geht es um die Wahlen. In Niedersachsen erst einmal um die Landtagswahl. Während CDU-Wirtschaftsministerin Birgit Breuel unvermutet sich großer Beliebtheit erfreut – ob es ihr paßt oder nicht, vor allem als Frau –, hat die SPD auf ihre Plakate gedruckt: "Mit Frauen Staat machen." Gar nicht so dumm. Aber es geht um noch mehr. Es geht um die Zukunft der Parteien bei der Bundestagswahl 1987, und die ist weiblich. Es steht den Männern ein Wahlkampf bevor, in dem von Frieden, Arbeitslosigkeit, Freiheit oder Sozialismus nicht viel die Rede sein wird, dafür um so mehr von Frauen. Ein Thema, bei dem bislang Politiker glaubten, schlafen zu dürfen.

"Der bisher größte Erfolg des CDU-Parteistrategen Geißler" ist nach Ansicht der FAZ, eine Tageszeitung, die bislang das Wort "Familienministerin" noch nicht einmal buchstabieren konnte, man höre und staune: Rita Süssmuth, "die Wahlwerberin", die "Vor(zeige)denkerin".

Sind da Steigerungen noch möglich? Allerdings. Wie in der vergangenen Ausgabe des Stern zu lesen war, beginnt jetzt Regierungsdirektorin Juliane Weber, die engste Vertraute unseres Bundeskanzlers, mit der Demontage dieses deutschen Mannes. Die Einzelteile Helmut Kohls sind offenbar nur über die "charmante, gepflegte, selbstbewußte Frau" zu beziehen, an der eben laut stern "niemand vorbeikommt, der des Kanzlers Ohr haben will". Wen wundert es da noch, daß Juliane "die beste Freundin" von Hannelore Kohl ist. Die beiden Frauen waren schon, wüßte wieder der stern, zusammen bei den Pyramiden und auch zum Sonnen in Spanien.

So viel Freizeit können sich die Sozialdemokratinnen noch lange nicht erlauben. In ihre umgedichtete Haushymne "Schwestern zur Sonne zur Gleichheit", mischte sich jüngst ein Mißton: Brigitte Brandt – ihr Mann ist SPD-Parteivorsitzender – vertraute der Frauenzeitschrift gleichen Namens an, mehrere Frauen auf einem Haufen seien ihr unangenehm. Das Parteiausschlußverfahren wegen CDU-Wahlhilfe konnte gerade noch abgewendet werden. Viola Roggenkamp