Von Manfred Sack

Inzwischen sind die "Terror-Vokabeln", von denen der Museumsdirektor sprach, verschwunden. Niemand behauptet noch, daß die "kalte schwarze Fassade" der nordrhein-westfälischen Kunstsammlung am Düsseldorfer Grabbeplatz an Konzentrationslager erinnere, an Gefängnis- und an Klagemauern. Inzwischen kennen manche auch die Empfehlung der Architekten, an einen Bechstein-Flügel zu denken.

Schon besser, nur ist das Bauwerk gar nicht schwarz: Der von Bornholm kommende, sehr witterungsbeständige, glatt geschliffene Granit schimmert farbig von Anthrazitgrau bis Dunkelgrau. Zusammen mit dem wunderbaren, feinen Fugenschnitt und den eigenwilligen Fensterpartien mit den schneeweißen Sprossen ist den Architekten eine Fassade geglückt, die gleich mehrere Effekte hat: Sie gibt dem leer gebombten und abgeräumten, in die Umgebung zerlaufenden, nun endlich zurückgewonnenen Platz die beschwingte strenge Fassung; sie ist spannungsvoll gegliedert und strahlt dennoch Solidität und Ruhe aus, wie es sich für das Gehäuse eines anspruchsvollen Museums gehört; sie ist städtebaulich aber auch so konzipiert, daß sie, aus welcher Straße man sich ihr auch nähert, die Augen neugierig macht, auf ganz unaufdringlich wohlgefällige Weise. Längst ist die spiegelnde Granitschale von den Modephotographen als Hintergrund für Kleider und Automobile und andere feine Güter entdeckt worden.

Direktor Schmalenbach, der Herr dieses neuen Hauses, hatte Glück mit seiner Jury – sie prämiierte fast einstimmig seine Favoriten: den Entwurf der Kopenhagener Architekten Hans Dissing und Otto Weitling, Weggenossen und seit 1971 Fortsetzer ihres Meisters Arne Jacobsen. Die besten Bauwerke dieses Büros findet man bei uns in Hamburg (das Dreischeiben-Bürohaus der HEW in der City Nord), in Hannover-Herrenhausen (das Restaurant, eine gläserne Preziose), in Castrop-Rauxel (das Rathaus). In Düsseldorf haben sie sich selbst übertroffen.

Ihr Bauplatz ist der beste, den man dafür hätte finden können. Er liegt am Rande der belebt-beliebten Altstadt, noch sehr zentral. Er verlangte etwas ähnliches wie der Römerberg in Frankfurt von der "Kulturschirn": einer heterogenen Runde von markanten alten und neuen Gebäuden – der klobigen Kunsthalle von 1967 und der barocken Andreaskirche von 1629 gegenüber, dem großen Land- und Amtsgericht von 1921 nebenan, schließlich die eher bescheidenen Bürgerhäuser in seinem Rücken – einen Halt zu geben. Die Architektur sollte ihren Wert couragiert hervorkehren, dabei jedoch weder eitel noch aufdringlich wirken; sie sollte sich nur selbstbewußt einfügen und beruhigend den Maßstab halten.

Den Architekten ist nicht nur dies geglückt, sondern auch die Verbindung von hüben und drüben, dieser jetzt sehr versammelt wirkende Platz. Die darüber hinwegführende Straße ist nicht verstopft, nur verengt worden, wechselndes Pflaster soll die Rasenden bremsen. Seinen Reiz entfaltet der Platz vor allem vor dem Museum selber. Da bildet er Terrassen, nischenreiche Wege zwischen Wällen und schattigen Akazienbäumen, ein kleiner Bach wirkt wie eine Bodenskulptur.

Das Museum, dem man leichten Herzens Noblesse zugesteht, sieht von allen Seiten gut und immer ein bißchen anders aus. Es korrespondiert nicht nur mit seinem Platz-Gegenüber, sondern auch seitlich mit den Häusern in der Neubrückstraße, sichtbar beflissen und mit einer ziemlich kessen Kurve, aber auch mit der restaurierten Fassade der ehemaligen Reichsbank um die Ecke in der Heinrich-Heine-Allee: Manche hätten diesen alten Schwulst gern abgerissen, die Architekten fanden ihn nicht so störend, so war dem Denkmalschutzjahr Genüge getan.