Von Gunter Hofmann

Bonn, im März

Er habe seine Arbeit "in einer ganz besonderen Medienlandschaft in der Bundesrepublik zu tun", mit "viel Licht, aber auch manchem Schatten". Mit einem vielsagenden Blick in die Runde der Bundespressekonferenz hat Helmut Kohl damit jüngst auf die Frage geantwortet, ob Kritiker aus der Union recht hätten, die eine bessere Darstellung der Regierungspolitik vermissen.

Das Argument kehrt bei Kohl um so häufiger wieder, je bedrängter er sich fühlt. Mit dem mangelnden Wir-Gefühl in der CDU, aber eben auch mit der besonderen Medienlandschaft hat der Kanzler soeben wieder vor dem Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) zu erklären versucht, weshalb alle die Erfolge, die er sich gutschreibt, sich für ihn nicht richtig auszahlen.

Gibt es also ein "Problem Helmut Kohl" oder nur ein besonderes Medienproblem für ihn? Heiner Geißler zum Beispiel scheint das Problem durchaus auch bei Kohl zu orten. Wie sonst wäre seine Warnung zu verstehen, Johannes Rau wolle die Bundestagswahl zu einer Volksabstimmung darüber machen, welcher Kanzlerkandidat schöner oder sympathischer sei? Und warum müßte Geißler beteuern, die CDU stehe zu Kohl, aber die Union müsse auch eine inhaltliche Unruhe entwickeln?

Helmut Kohl neigt dazu, ein "Problem Helmut Kohl" zu dementieren. Er neigt überhaupt dazu, Probleme zu dementieren. Auf Fragen von RCDS-Delegierten, was er zum "Kanzlermalus" zu sagen habe, hat er jüngst empfohlen, sie sollten sich darüber nicht den Kopf zerbrechen, das Problem hätten im übrigen Adenauer, Erhard und Brandt auch gehabt. Er hielt sich an das Motto: Alles nicht neu, alles nicht aufregend, nur die Ruhe bewahren. Die These stimmt übrigens nur halb. Noch nie zuvor lag ein Kanzler in der Demoskopie hinter seinem Herausforderer, was Kohl verschwieg.

Diese Haltung hat Methode, wie das jüngste Beispiel belegt, der Kanzlerauftritt vor der Presse am Donnerstag voriger Woche. Es war schon seine zweite große Pressekonferenz in diesem Jahr; sie begann zur selben Stunde wie die Protestkundgebungen der Gewerkschaften wegen des Arbeitskampfrechts. Zwei Stunden zuvor hatte der Grüne Otto Schily "seinen" Flick-Bericht vorgelegt, die Beschädigungen des Parlamentarismus gedankenreich beklagt und erklärt, wie und warum seine Anzeigen gegen Kohl zustande kamen. Dazu meinte Helmut Kohl: Mit "großer Ruhe" sehe er der Ermittlung entgegen. Auch jetzt noch, nachdem die Bonner Staatsanwälte wie ihre Koblenzer Kollegen ermitteln?