Von Ralf Dahrendorf
Weltmarkt? Gewiß; aber für mein Land würde schon ein Drittel des Marktes von Miami ausreichen." Der das sagte, war kein Nicaraguaner – soviel ironischer Realismus ist dort selten sondern der Gouverneur der Bank von Costa Rica. Aber es ist nützlich im Sinn zu behalten, daß das Land zwischen Managua und Bluefields kaum mehr als drei Millionen Einwohner hat. So sehr es die nahen und die ferneren Nachbarn in Atem hält, es ist klein, arm und lateinamerikanisch.
Das macht das Mißverhältnis zwischen Ängsten oder Hoffnungen und Realitäten nur schlimmer. Man zögert ja mittlerweile, nach einer Woche in der Region etwas zu schreiben, zumal wenn man von Land und Leuten fast nichts gesehen, sondern nur intensive Gespräche geführt hat, in denen sich beide spiegeln. In meinem Fall waren dies – zugegeben – Begegnungen mit dem Establishment: vorher mit dem Präsidenten und Außenminister von Mexiko sowie dem Außenminister und dem gewählten Präsidenten von Costa Rica, in Nicaragua selbst mit Comandantes (Jaime Wheelock und Carlos Nunez), Ministern und Planungsexperten, mit dem Erzbischof Kardinal Obando y Bravo, dem Herausgeber der regierungskritischen La Prensa, Oppositionspolitikern, Menschenrechtsaktivisten, mit Hochschullehrern und Diplomaten, Privatunternehmern und Staatsmanagern.