Von Siegfried Schober

Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß der Ngongberge.“ Mit diesem Satz beginnt Tania Blixens „Out of Africa“, ihr von Hemingway hochgerühmtes Erinnerungsbuch über die wilden Jahre, die sie von 1914 bis 1931 in Kenia verlebte. Der berühmte Satz ist nun in dem amerikanischen Film Jenseits von Afrika“ gleich mehrere Male zu hören, aber aus dem nüchtern-poetischen Klang wurde ein melodramatisches Raunen – Hollywood hat sich wieder einmal an Literatur vergriffen. Sydney Pollacks aufwendiger Film Jenseits von Afrika“ ist wunderbarer Kitsch und ein Modellfall für die Entstehung von Kitsch, für seine lügenhafte Funktion, deren Zauber man bei diesem Film leicht erliegt.

Das Afrikaleben der dänischen Baronesse, Kaffeefarmerin und Schriftstellerin Blixen, die sich als 29jährige an den Ngongbergen niederließ, hat viele Regisseure fasziniert. Ihr Keniabuch und darüber hinaus alles Delikate, Skandalumwitterte und Absonderliche ihrer Existenz, das erst in den letzten Jahren bekannt wurde, sind hochprozentiger Stoff fürs Kino. David Lean, der Regisseur der „Reise nach Indien“, hatte lange Zeit an eine Verfilmung gedacht. Und allen voran: Orson Welles, dessen kurzer, facettenreicher Spielfilm „The Immortal Story“ nach einer Blixen-Kurzgeschichte entstanden ist.

Orson Welles war überhaupt der einzige, von dem man sich einen kompromißlosen Film über Tania Blixen hätte vorstellen können, denn er war ihr als verkrachter Lebenskünstler und snobistisches Überlebenstalent ebenbürtig. Sydney Pollacks Version mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer hat dagegen aus dem Bizarren etwas Biederes gemacht, das durch die Perfektion und den Glamour Hollywoods täuschend vergoldet wird.

Natürlich sagt man oft bei einem Film, dessen Helden nach literarischen Figuren oder realen Menschen gestaltet sind, daß sie im Roman oder in Wirklichkeit ganz anders gewesen seien. Nur, bei dem Film Jenseits von Afrika“ sprechen die Abweichungen Bände. Es hat auch, bevor die Außenaufnahmen zu dem 30 Millionen Dollar teuren Projekt in Kenia begannen, hinter den Kulissen Kämpfe darüber gegeben, was der Film zeigt und was er sich verkneift. Die Italienerin Anna Cataldi, die als Mitproduzentin zunächst maßgeblich Jenseits von Afrika“ mitvorbereitete und ehe authentische, gewagte Fassung befürwortete, verlor im Streit ihren Einfluß. Am Ende, auch um den prüden Robert Redford als Zugpferd zu gewinnen, schlug das Pendel ganz auf die Seite eines sanften, zartbitter versüßten Melodrams von allerdings manchmal berückenden epischen Ausmaßen.

Der Film, der vorgibt das Leben einer der großen exzentrischen und rebellischen Frauen dieses Jahrhunderts zu erzählen, ist unglaublich puritanisch und harmlos. Dazu paßt die pastorale Einbettung der Handlung in ausgedehnte Landschafts- und Tieraufnahmen, die mitten ins empfindsame Herz des natursüchtigen modernen Zuschauers treffen. In dem noch grenzenlos erscheinenden afrikanischen Naturparadies werkelt als Farmerin und Wohltäterin die von Meryl Streep hinreißend gespielte Tania Blixen wie eine von Liebesleid umflorte Albertine Schweitzer.

Der Film schildert, wie Tania Blixen, bereits in Afrika, den schwedischen Baron Bror Blixen heiratet; sie wird mit den tonangebenden Engländern von Britisch-Ostafrika bekannt, die später ihren gesellschaftlichen Umgang bilden werden. Klaus Maria Brandauer spielt mit seinem üblichen diabolischen Charme Bror, einen Leichtfuß, der bald Tania und die Farm vernachlässigen und mehr Interesse an Safaris und anderen Frauen finden wird. Er steckt Tania mit Syphilis an, die sie in Europa ausheilt. Robert Redford taucht, gleich einem zerknitterten Marlboro-Mann, als Tanias Geliebter Denys Finch Hatton auf, der sich aber von ihr nicht für die Ehe einfangen läßt. Baron Bror tat da schon die Farm verlassen, von der gekränkten Tania den Laufpaß bekommen, als sich Denys, der freie Mann der Wildnis, bei der am Kaminfeuer das Erzählgarn spinnenden Sheherezade Tania einquartiert. Am Ende kommt ein Unglück nach dem anderen. Die Kaffeefabrik brennt ab. Der Geliebte stürzt mit dem Flugzeug ab. Tania verkauft ihr teures Porzellan, um nach Europa zurückzukehren.