Er war, auf seine Weise, immer ein Überzeugungstäter – zum Beispiel, als er schon in den fünfziger Jahren gegen den aufkeimenden „Verbands- und Wirtschaftsegoismus“ zu Felde zog. Das war damals geradezu ein Sakrileg. Aber er hat, ohnehin von jähem Temperament und ungebärdiger Wortwahl, selbst zur peinlichen Betroffenheit der eigenen Partei und Regierung, auch sonst kein Blatt vor den Mund genommen, besonders wenn es um die Hilfe für kinderreiche Familien ging. Dabei setzte er sich ein Denkmal, das inzwischen schon Generationen überdauert hat. „Ich habe den Wuermeling“: Das sagen noch heute, ohne Kenntnis des Ursprungs, junge Leute aus Familien mit mehr als zwei Kindern, wenn sie mit der Bahn zum halben Preis reisen können.

Zentrumswurzeln vom Vater her, katholisch und konservativ – damit ist Franz-Josef Wuermeling, 20 Jahre Bundestagsabgeordneter der CDU und ein Jahrzehnt in drei Adenauer-Kabinetten Familienminister, nur halb beschrieben. Seine Leidenschaft für die Familienpolitik hatte altväterliche Gründe, aber fortschrittliche Folgen. Am Freitag letzter Woche ist der Berliner Beamtensohn im Alter von 85 Jahren gestorben. cck.