Die Außenpolitik Frankreichs ordnet sich um einige einfache Ideen: die nationale Unabhängigkeit, das Gleichgewicht der militärischen Blöcke in der Welt, den Aufbau Europas, das Recht der Völker auf Selbstbestimmung, die Entwicklung der armen Länder.

Ich habe auf diesem Gebiet vom ersten Tag an die Zustimmung der meisten Franzosen gefunden. Man weiß jedoch, daß der Platz, den unser Land in der Welt einnimmt, besser außerhalb als innerhalb unserer Grenzen anerkannt wird. Das ist eine Konstante unserer Geschichte. Einige unserer Landsleute, die einseitig agitieren, fühlen sich als Spanier oder brennen für England und vergessen dabei, daß sie Franzosen sind. Andere pflanzen ihre Lilienbanner auf und kampieren für immer auf den Maginot-Linien, wo sich, um zu überleben, ein imaginäres Vaterland in die Erde eingräbt. Verachten wir die Kollaborateure, vernachlässigen wir die Prediger einer Liga.

Dagegen messe ich den Bemerkungen meiner Kritiker Bedeutung bei, wenn ich fühle, daß sie wie ich, wenngleich auf anderen Wegen, danach suchen, wie sie dem nationalen Interesse am besten dienen können. Kurz, meine Opponenten, wenn sie seriös sind, interessieren mich. Sie werden mir dennoch erlauben, ihnen zu sagen, daß sie zu oft ein Vergrößerungsglas benutzen, um eine Tatsache aus dem Zusammenhang zu isolieren und sich so jeder Gesamtsicht berauben. Ich möchte sie durch diese Texte von der Einheit einer Handlungsweise überzeugen, die in allen Einzelheiten den Ehrgeiz ausdrückt, den ich aus Instinkt, aus Leidenschaft, aus Vernunft für Frankreich besitze. Soweit meine Ursprünge zurückreichen, entstamme ich Frankreich und einer seiner Provinzen, und ich bin stolz darauf – wobei mich zugleich die ständige Erneuerung erstaunt, die die Einwanderungswellen bewirkten, denen Frankreich einen Teil seiner Größe verdankt.

Von dieser Einheit gebe ich zum Beginn ein Beispiel. Man erinnert sich sicherlich, daß ich 1983 die Aufstellung der amerikanischen Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik Deutschland befürwortet habe. Das brachte mir den Vorwurf des Atlantismus und unterschwellig, der Bereitschaft ein, mich den Plänen Reagans zu unterwerfen. Diese Anschuldigung hatte etwas Amüsantes, da sie nicht aus der Richtung der Kommunistischen Partei, die damals an der Regierung von Pierre Mauroy beteiligt war, sondern aus konservativen Kreisen kam. Der Atlantismus als Sünde! Sieh mal an, dachte ich, Tartuffe, der sich bekennt.

Das konnte mich nicht stören. Meine positive Entscheidung vor bald vierzig Jahren befriedigt mich noch immer. Unberührt von jeglichem antisowjetischen Verfolgungswahn glaube ich weiterhin, daß es gegenwärtig die schlimmste Gefahr für uns und unsere Nachbarn in Westeuropa wäre, zöge sich Amerika von den Ufern unseres Kontinents zurück. Eine Überlegung, die nichts an meinen Vorbehalten gegenüber verschiedenen Aspekten der Politik der Vereinigten Staaten ändert. Ich habe vor kurzem deutlich zu verstehen gegeben, daß ich mit der amerikanischen Intervention in El Salvador und Nicaragua nicht einverstanden bin. Ich hatte es Präsident Reagan eröffnet, als ich ihm zum ersten Mal auf dem Gipfeltreffen in Ottawa im Juli 1981 begegnete, und später habe ich nie versäumt, das zu wiederholen.

Erinnern wir uns der Worte, die ich auf verschiedene Tribünen, einschließlich des amerikanischen Kongresses, gesagt habe. Ich brachte gegenüber Ronald Reagan meine Überzeugung zuih Ausdruck, die Eingriffe seiner Regierung in Mittelamerika hielten einen tragischen Widersinn aufrecht, daß die Völker dieser Region für eine doppelte Befreiung kämpften, wirtschaftlich und politisch, und daß sie das Recht hätten, vom Westen Verständnis und Hilfe zu erwarten, gerade im Namen seiner Moral und seiner eigenen Geschichte. Es sei das sicherste Mittel, den Weg für den Kommunismus zu ebnen, wenn diese revolutionären Bewegungen dahin geführt würden, sich von Moskau die erforderlichen Gelder und Waffen zu erbetteln, bevor dann auf dem gleichen Wege auch die Ideen kämen.

Für Reagan umfaßte der Kommunismus die Revolution. Trüge er den Sieg davon, würde sich, wie eine seit Lenin bekannte Strategie lautet, das Feuer weiter ausbreiten. Die Vereinigten Staaten könnten eine solche Bedrohung vor ihrer Tür nicht akzeptieren. Handelte man nicht rechtzeitig, erreichte die feindliche Konfrontation ein solches Ausmaß, daß der Friede in der Welt deswegen in Gefahr geriete.