Im unübersehbaren Markt der kleinen Reiseinitiativen und -veranstalter will eine neugegründete Arbeitsgemeinschaft gemeinsame Ziele im Jugendtourismus durchsetzen.

Einigkeit macht stärker. Unter diesem Motto fanden sich jetzt die Vertreter von 24 kleinen und kleinsten gemeinnützig oder kommerziell ausgerichteten Reiseinitiativen oder -veranstaltern zusammen, um den „neuen, kleinen, schillernden Organisationen und Initiativen als dem innovativen Potential des Jugendtourismus“ als Arbeitsgemeinschaft ein größeres Sprachrohr zu sein. „Die Spanne unserer Mitglieder“, sagt Werner Müller, einer der Initiatoren der Arbeitsgemeinschaft, „reicht vom Westfälischen Feriendienst, einem relativ großen gemeinnützigen Veranstalter, bis hin zu dem aus einer Person bestehenden Einzelveranstalter.“

Ziel der gegründeten Arbeitsgemeinschaft, deren Mitglieder alle den sanften Tourismus auf ihre alternativen Fahnen geschrieben haben, ist es, in erster Linie im „Aus- und Fortbildungsbereich“ für den Jugendtourismus zu wirken. Müller: „Wo einzelne kleine Veranstalter bisher nicht in der Lage waren, vernünftig oder überhaupt Reiseleiter und Betreuer zu schulen, werden wir jetzt gemeinsam vorgehen.“ Die ersten Schritte sind schon getan. In Zusammenarbeit mit dem Starnberger „Studienkreis für Tourismus“ werden Modellprojekte für Reiseleiterschulung und -ausbildung erarbeitet, die bereits 1987 den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden sollen. Kontakte vermittelt Werner Müller, Schiffbeker Damm 15, 2000 Hamburg 74, Tel. 0 40/7 33 89 26.

Gleichrangiges Ziel wie Aus- und Fortbildung ist aber auch die „Zusammenarbeit in betriebswirtschaftlichen Dingen“ (Müller). Marketingberatungen, die sich bislang ein Kleinstveranstalter nicht leisten konnte, sollen nun von der Arbeitsgemeinschaft für alle Mitglieder eingeführt werden. Gedacht ist auch an einen koordinierten Einsatz von Transportmitteln, den gemeinsamen Einkauf von Unterkünften und an gemeinsame Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Arbeitsgemeinschaft, die sich als parteipolitisch und konfessionell unabhängig versteht, begreift sich aber auch als Förderer und Promoter des organisierten Jugendtourismus in der Bundesrepublik, der sich wegen des Pillenknicks und der Unlust am organisierten Verreisen auf einer Talfahrt befindet. „Kommunal-, landes- und bundespolitisch“, heißt es in einem Grundsatzpapier der Arbeitsgemeinschaft, „ist der Jugendtourismus ein Stiefkind und eher als tot zu bezeichnen.“ Dagegen will die Arbeitsgemeinschaft die Schubkraft neuer Reiseformen und -arten setzen, wobei pädagogisch orientierte Reisen für Jugendliche stark im Vordergrund stehen.

Bei der Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft auf der „3. Lernbörse Reisen“ der Thomas-Morus-Akademie in Bonn war auch der Branchengrößte, die TUI, vertreten – als Beobachter. Fritz Liesen, Geschäftsführer der TUI-Marke „Twen Tours“ kam allerdings weniger als Spion, sondern als Ratgeber, der „uns sehr unterstützt“ (Müller). Überregional präsent will die Arbeitsgemeinschaft vielleicht schon im nächsten Jahr auf der ITB sein – nicht als Alternativbewegung, sondern, so Müller, „eher als Ergänzungsmesse“.

Veit Burgenländer