Von Anna von Münchhausen

Umweltschädling, ich? Kaum, denn mit Altglas und -papier gehe ich geradezu penibel um, trage noch das letzte Babygläschen zum Sammelcontainer, bündele brav alle zwei Wochen die alten Zeitungen. Eine bequeme Gewohnheit, die, wie gewünscht, das Gewissen beruhigt. Oberflächlich zumindest und bis sich die Frage meldet: Reicht das tatsächlich?

Heinz Jürgen Pick weiß die Antwort, und das nicht nur in der Theorie, sondern an Ort und Stelle: Er kommt ins Haus. Der 28jährige Biologe ist Mitarbeiter der "Aktionsgemeinschaft Umwelt, Gesundheit, Ernährung" (AUGE) und keineswegs, wie ich insgeheim vermutet hatte, eine Mischung aus Laienprediger, Kammerjäger und grünem Abgeordneten. Schon nach wenigen Minuten erklärt der Umweltberater: "Wir packen den Menschen bei seinem Egoismus."

Offensichtlich lassen sich da viele erfolgreich packen, denn Pick und seine vier Kollegen sind auf Wochen hinaus ausgebucht. Die Beratung ist, das macht sie besonders attraktiv, umsonst; eine Spende nach eigenem Gutdünken allerdings wird gern genommen. Die Aktion geht zurück auf eine Initiative des Betriebswirts Maximilian Gege in der Firma Ernst Winter & Sohn, die in Hamburg Diamantwerkzeuge herstellt. Gege gewann die beiden Unternehmer Ernst-Michael und Georg Winter als Sponsoren und Förderer: Mit 160 000 Mark brachten sie die Umweltberatung in Gang.

Heinz Jürgen Pick hält sich nicht lange mit Grundsätzlichem auf – schließlich sind wir alle ja Verbraucher, Verschmutzer, Verschwender und wissen es längst. Nein, nach wenigen Minuten wird er ganz konkret: "Wann waschen Sie?" Da ich die Brisanz der Frage spontan nicht zu erkennen vermag, antworte ich vorsichtshalber ehrlich: mittwochs, manchmal auch am Samstag. Da schwimme ich gegen den Strom deutscher Haushalte, in denen am liebsten montags gewaschen wird, was den Klärwerken Probleme mit den Laugenfluten an diesem Wochentag schafft. Ich sorge für Entzerrung.

Überhaupt ist die große Wäsche ein weites Feld und eines der wichtigsten Anliegen des Ökologen. Wie oft? (Deutsche Waschmaschinen kennen kaum einen Ruhetag und tun im Durchschnitt 320 mal im Jahr Dienst.) Bei welcher Temperatur? Deutsche Wäsche wird immer noch viel zu häufig gekocht, was wenig Nutzen, aber viel Schaden für die Umwelt bringt. Mit welchem Waschmittel? Wieviel nehmen Sie davon? Heinz Jürgen Pick erkennt, daß ich krass unterdosiere, gerade zwei Becher für Vor- und Hauptwäsche zusammen, das ist weit weniger, als der Hersteller für diesen Wasserhärtegrad empfiehlt. Es folgt eine ausführliche Lektion über Tenside, Phosphate, optische Aufheller und die Wirkungsweise typischer Kochwaschmittel. "Warum schießen Sie mit Kanonen auf Spatzen, wenn Sie die Wäsche so selten wirklich kochen?" fragt er mich. Ein Feinwaschmittel reicht in den meisten Fällen, enthält weniger Schadstoffe und bleicht nicht so aus. Dann wirft Pick noch einen Blick in die Trommel: Nein, die Maschine scheint an der Dosierung nichts auszusetzen zu haben. In beinahe jedem Haushalt steht neben der Waschmaschine eine ganze Hilfsarmee für das reine Gewissen: Weichspüler, Entkalker, Einweichpasten, Gardinenwaschmittel – all dies belastet das Abwasser und ändert an dem, was die Werbung "Waschergebnis" nennt, doch wenig. Der Verbrauch wird nach Picks Einschätzung erst dann zurückgehen, wenn klar ist, daß sich dabei ohne Nachteile sparen läßt, wenn man darauf verzichtet.

Kaum etwas entgeht der Aufmerksamkeit des Umweltberaters: Zum Beispiel, daß wir keine Holzverkleidungen haben, die mit den berüchtigten Schutzmitteln gestrichen wurden. Zum Beispiel, daß der Wasserkasten am Klo eine Spartaste hat, die den Verbrauch reguliert und verhindert, daß jedes Mal neun Liter Trinkwasser in die Kanalisation wandern. Eine wichtige Sache für Öko-Egoisten: Mit einer solchen Spartaste (manchmal tut es auch ein einfacher Ziegelstein) lassen sich jährlich über 10 000 Liter Wasser sparen; gäbe es sie in jedem Hamburger Haushalt, brauchte sich die Stadt keine Sorgen um die Zukunft der Wasserversorgung machen ...