DIE ZEIT

Zum Zweiten

Ein Unglück kommt selten allein. Helmut Kohl gerät zumindest atmosphärisch unter immer stärkeren Druck. Zwei Ermittlungsverfahren gegen einen Kanzler: Obgleich juristisch noch alles offen ist, sieht die Sache politisch schlecht aus.

Angebunden

Wie raffiniert schien doch die Bonner SDI-Politik noch vor einem Jahr. „Wenn wir jetzt bereits sagen, wir machen beim Forschungsprogramm definitiv mit, dann würden wir uns zu billig verkaufen bei unseren Freunden in den USA“, formulierte Horst Teltschik, der außenpolitische Berater des Kanzlers damals.

Chance vertan

Vorschläge zur Güte gab es in den vergangenen Wochen genug. Doch, was die Bonner Koalition Anfang dieser Woche am Regierungsentwurf zum Streik-Paragraphen 116 verändert hat, reicht nicht aus, den Streit mit den Gewerkschaften beizulegen.

Der Kreml straft

Der sowjetische Parteitag hat nicht nur mit Breschnjews Schlendrian abgerechnet. Er hat auch dessen Doktrin von der begrenzten Souveränität sozialistischer Länder durch ein wohlklingendes Toleranzedikt ersetzt.

Bonner Buhlen um die Bauern

Wenn hierzulande der Landmann murrt, dann zittern die Politiker. Das Heer der Bauern ist halb so groß wie das der Arbeitslosen: Fünf Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft.

Worte der Woche

„Ich bin da vielleicht ein zu altmodischer Linker, aber ich wünsche mir die Partei als politischen Regenerationsquell, wo man aus einem Gefühl der Solidarität heraus auch mal in den Arm genommen wird und nicht auch noch Klassenkeile kassiert.

Erpressung vor der Wahl

Frankreich ist geschockt. Die Stimmung erinnert an die Verwirrung der Amerikaner während des Teheraner Geiseldramas vor fünf Jahren.

Wolfgang Ebert: Dichter und Bauer

„Ja, bitte, Herr ... Bruders?“ „Es geht um meine Stimme.“ „Ja, ja, weiter, bitte ...“ „Ich möchte sie vermarkten, was für mich dabei herausschlagen .

CDU in Nordrhein-Westfalen: Vom Querkopf zum Chef

Die CDU – diesen Eindruck erwecken die Reden ihrer Parteifreunde – hat für die eigene Geschichte ein gutes Gedächtnis. Vor dem Fusionsparteitag der rheinischen und westfälischen Landesverbände erinnerte Helmut Kohl an das Werk der politischen Vorläufer, die vor ziemlich genau 40 Jahren im sauerländischen Neheim-Hüsten – dort trafen sich die CDU-Gründer aus der britischen Zone – ihre junge Partei auf bürgerlichen Kurs brachten und den Führungsanspruch Konrad Adenauers anerkannten.

Familie und Arbeitswelt: Den Frauen auf den Fersen

Die Gesellschaft war gediegen: Unternehmer, Vertreter industrienaher Verbände, Professoren. Und sie präsentierte sich so, wie Versammlungen wichtiger Persönlichkeiten in der Regel in Erscheinung treten: Männer mittleren und vorgerückten Alters, die es zu etwas gebracht haben und angenehme Umgangsformen pflegen – mit ein paar Frauen, Pardon: Damen als Farbtupfer.

Bonn und die Dritte Welt: Aus Fehlern lernen

Seitdem die Katastrophenmeldungen vom großen Hunger in Afrika nicht mehr jeden Abend die Fernsehnachrichten bestimmen, ist das Interesse an der Entwicklungshilfe – oder auch Entwicklungspolitik – merklich abgeflaut.

Familienpolitiker aus Leidenschaft

Er war, auf seine Weise, immer ein Überzeugungstäter – zum Beispiel, als er schon in den fünfziger Jahren gegen den aufkeimenden „Verbands- und Wirtschaftsegoismus“ zu Felde zog.

BONNER BÜHNE: Donnerworte oben und stille Taten unten

Einerseits will die Bundesregierung ihre durchaus erfolgreiche pragmatische Politik gegenüber der DDR fortsetzen. Andererseits aber gedenkt sie keinerlei Grundsatzpositionen aufzugeben, besonders solche nicht, die mit der Überwindung der Teilung zu tun haben.

Südafrika: Ende des Notstands?

Mindestens 1200 Menschen starben in den letzten anderthalb Jahren bei politischen Unruhen in den schwarzen Siedlungen am Rand der südafrikanischen Städte.

Kolumbien: Parlamentswahl

Nach der Auszählung von 85 Prozent der Stimmen zeichnete sich eine absolute Mehrheit der Liberalen in beiden Häusern des Kongresses ab.

Schweden: Mörder gesucht

Es ist inzwischen schon Routine geworden: Täglich um 15.30 Uhr stellt sich Hans Holmer, der Fahndungschef der Stockholmer Polizei, der Presse, um über neue Erkenntnisse im Mordfall Olof Palme zu berichten.

Ein Zwerg ängstigt den Riesen

Weltmarkt? Gewiß; aber für mein Land würde schon ein Drittel des Marktes von Miami ausreichen." Der das sagte, war kein Nicaraguaner – soviel ironischer Realismus ist dort selten sondern der Gouverneur der Bank von Costa Rica.

Sind die bayerischen Sozialdemokraten Staatsfeinde?: Chaos im Landtag

Wahrscheinlich hat sich jene „autonome Gruppe“, die das Szene-Magazin freiraum herausgibt, nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können, daß ausgerechnet ein Zitat aus ihrem „Blatt für den Staatsanwalt“ (so der Untertitel im Impressum) zu einem Streit beitragen würde, der den bayerischen Landtag in die heftigste Auseinandersetzung seiner Geschichte gestürzt hat.

Ralf-Axel und die Justiz

Nein, der Angeklagte will nichts sagen. Der Angeklagte ist auch nicht bereit, sich zur Person zu äußern, und er will auch nicht sagen, ob seine Vornamen Ralf-Axel sich mit Bindestrich schreiben oder nicht.

Freude und Schadenfreude

Die Stadt liegt – von Süden aus gesehen – gleich hinter Hamburg. Von der Autobahn A 7 wird sie in zwei Teile geschnitten; hoch oben über dem Zentrum kämpfen sich bullig und laut Fuhlsbütteler Jumbos in den Himmel hinauf.

Michel Foucault:: Die Athleten der Enthaltsamkeit

In welchen Punkten hat sich die Sexualmoral des Christentums am deutlichsten der Sexualmoral des alten Heidentums entgegengesetzt? Inzestverbot, Männerherrschaft, Unterwerfung der Frau? Dies sind wohl nicht die Antworten, die man zu hören bekäme: man kennt die Ausdehnung und die Beständigkeit dieser Phänomene in ihren verschiedenen Formen.

Postsexuelles Manifest

Noch kurz vor seinem Tod konnte Michel Foucault die ersten Reaktionen auf sein neues Werk studieren. Erstaunt registrierten die Kritiker, daß Foucault, die Galionsfigur der französischen Intellektuellen, einen radikalen Bruch vollzogen hatte.

Überflüssig und schädlich

Spätestens im Januar, nach den Washingtoner SDI-Gesprächen von Wirtschaftsminister Martin Bangemann, sollte in Bonn klar gewesen sein, daß die Deutschen nicht immer alles haben können, ohne selbst etwas zu geben.

Neue Heimat: Keine Wahl

Die Neue Heimat kämpft ums Überleben. Wie ernst es um den größten Wohnungsbaukonzern in Europa steht, zeigt der Entschluß, sämtliche ihm noch gehörenden Sozialwohnungen in Nordrhein-Westfalen zu verkaufen.

Bonner Kulisse

Bundeskanzler Helmut Kohl hat im Zusammenhang mit den Finanzproblemen des Gewerkschaftskonzerns Neue Heimat Maßstäbe gesetzt, wie sie in Bonn bisher selten gegolten haben.

Kfz-Steuer: Keine Chance

Zugegeben: Die Welt von heute ist kompliziert. Politiker, vor allem die mit Schnellschuß-Mentalität, haben es deshalb schwerer als früher, mit ihren Vorschlägen in der verzwickten Realität zu bestehen.

Demonstrationen: Kein Lohn

Zur Aufregung gibt es keinen Grund. Arbeitnehmer, die sich am Donnerstag vergangener Woche an den Demonstrationen gegen die geplante Änderung des sogenannten Streikparagraphen im Arbeitsförderungsgesetz beteiligten, haben für die ausgefallene Arbeitszeit keinen Anspruch auf Lohn.

Großbritannien: Das Köfferchen ist leer

Je näher der Tag des Budgets rückt, desto einsilbiger wird der Finanzminister. Er meidet öffentliche Auftritte, hält keine Reden mehr und benimmt sich wie ein Mönch, der das Gelübde der Schweigsamkeit abgelegt hat.

Zeitliches aus Österreich: Das Millionen-Ding

Zu Anfang hielt man es eher für komisch, doch mittlerweile bleibt den Österreichern das Lachen im Halse stecken. Drei Monate nach dem Auffliegen des Skandals um den Staatsbetrieb Voest erschüttert schon wieder eine Affäre das Land.

BANK UND BÖRSE: Kehrseite fallender Zinsen

Mit ihrer Diskontsenkung hat die Bundesbank eine neue weltweite Zinssenkungsrunde eingeläutet. In der Bundesrepublik war dieser Schritt in den letzten Wochen schon durch den auf den Rentenmärkten vollzogenen Zinssenkungsprozeß vorweggenommen worden.

MARKT-REPORT: Die Profis kaufen wieder

Am deutschen Aktienmarkt ist der Knoten geplatzt. Nach einer mehrwöchigen Konsolidierungsphase bewegen sich die Kurse der meisten Standardaktien wieder nach oben.

DEVISENSELLER

Hat der Dollar jetzt Boden unter den Füßen? Der Wiederanstieg von etwas mehr als 2,20 auf jetzt knapp 2,30 Mark läßt diese Frage als berechtigt erscheinen.

MANAGER UND MÄRKTE

Hellmuth Buddenberg ist vielleicht nicht mehr der Größte, aber er ist wieder der Schnellste. Weit vor der Konkurrenz hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen BP die Ergebnisse des vergangenen Jahres bekanntgemacht.

ZEITRAFFER

Computer sind noch immer auf dem Vormarsch. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, nahm auch 1985 die Datenverarbeitungsbranche die Spitzenstellung unter den Wachstumsindustrien ein.

Das reicht uns nicht

Angerer: Wir sind seit Jahren bestrebt, die Transparenz zu verbessern, und wir glauben, daß ein relativ hoher Stand erreicht ist.

Für Blüm aufs Altenteil

Den Aufschwung – auch auf dem Arbeitsmarkt – versprach die christlich-liberale Bundesregierung bei ihrem Amtsantritt. Doch es kam anders.

Frankreich: Kungeln und kassieren

Am 16.März wählen die Franzosen ihre neue Nationalversammlung. Der Wahlkampf, der in diesen Tagen zu Ende ging, hat mehr als eine halbe Milliarde Franc gekostet.

Neue Heimat: Hilfe von Rau

Die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Allgemeine Zeitung die gemeinhin nicht auf gleicher Wellenlänge senden, waren sich einig: „Rau hilft der Neuen Heimat“, hieß es in der Rundschau, „die Regierung Rau verschafft der Neuen Heimat Liquidität“, schrieb die FAZ.

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