Zur Aufregung gibt es keinen Grund. Arbeitnehmer, die sich am Donnerstag vergangener Woche an den Demonstrationen gegen die geplante Änderung des sogenannten Streikparagraphen im Arbeitsförderungsgesetz beteiligten, haben für die ausgefallene Arbeitszeit keinen Anspruch auf Lohn. Daran gibt es keinen Zweifel. Die Demonstranten waren in den meisten Fällen darauf vorbereitet – und sind trotzdem dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes gefolgt. Das gilt auch für die 25 000 Arbeiter und Angestellten des Volkswagenwerks, die bei dieser Kundgebung nicht zum erstenmal Einkommenseinbußen bewußt in Kauf genommen haben.

Mit fristlosen Entlassungen dagegen, die der Deutsche Ärzte Verlag in Köln gegenüber drei Betriebsratsmitgliedern aussprechen will, sollten Arbeitgeber nicht gleich drohen, wenn sich ihre Beschäftigten an solchen Protestveranstaltungen beteiligen. Selbst wenn die Rechtslage ihnen dies erlaubt, klug ist eine solche Reaktion mit Sicherheit nicht. Durch derartige Strafaktionen wird das ohnehin strapazierte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch mehr belastet. Vernünftige Unternehmer – und die sind gottlob noch immer in der Mehrzahl – wissen das. ms