Zugegeben: Die Welt von heute ist kompliziert. Politiker, vor allem die mit Schnellschuß-Mentalität, haben es deshalb schwerer als früher, mit ihren Vorschlägen in der verzwickten Realität zu bestehen. Neuestes Opfer wurde jetzt der FDP-Generalsekretär Helmut Haussmann, der die alte – und für sich gesehen sehr vernünftige – Idee wieder aufgriff, die Kraftfahrzeugsteuer abzuschaffen und dafür Benzin und Dieselkraftstoff stärker zu besteuern. Gleich nach der kommenden Bundestagswahl Anfang 1987, versprach Haussmann, will die FDP mit den erwarteten Koalitionspartnern CDU und CSU darüber verhandeln. Die beiden C-Parteien lägen ganz auf seiner Linie.

Auszuschließen ist das nicht. Dennoch: Zu Koalitionsgesprächen darüber in einem Jahr wird es nicht kommen. Denn bis dahin wird wohl auch dem FDP-Generalsekretär klarwerden, daß sein Vorschlag keinerlei Chancen hat. Der Hauptgrund: Die Kraftfahrzeugsteuer in der alten Form ist als Instrument der Umweltpolitik verplant; wer nämlich ein schadstoffarmes Auto fährt, braucht keine Steuer zu zahlen. Diese von CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann versprochenen Vorteile reichen bis weit in die neunziger Jahre und auch über die nächste Legislaturperiode hinaus. Haussmanns Vorschlag ist so unrealistisch – er könnte von Martin Bangemann sein. üth