In Kolumbien haben am vergangenen Sonntag Parlamentswahlen stattgefunden. Sie wurden zu einem Triumph der Liberalen Partei.

Nach der Auszählung von 85 Prozent der Stimmen zeichnete sich eine absolute Mehrheit der Liberalen in beiden Häusern des Kongresses ab. Die Konservative Partei des amtierenden Präsidenten Betancur blieb danach unter 38 Prozent.

Die Liberalen waren – wieder einmal – gespalten. Doch der „Neue Liberalismus“ der Dissidenten verfehlte mit acht Prozent Wählerstimmen sein Ziel, den Sieg des liberalen Kandidaten Virgilio Barco Vargas bei den Präsidentenwahlen am 25. Mai in Frage zu stellen. Allgemein war die Abstimmung über die Parlamente der Städte, Provinzen und den Kongreß als Testwahl betrachtet worden.

Danach sind zwei Experimente so gut wie gescheitert. Die Patriotische Union, von ehemaligen marxistischen Rebellengruppen gegründet, ist mit knapp eineinhalb Prozent weit abgeschlagen worden. Die vom Präsidenten geförderte Beteiligung an der Wahl hat sich für sie nicht ausgezahlt – allerdings verfehlte auch der Aufruf zum Wahlboykott, den eine andere Guerillagruppe erließ, seine Wirkung.

Die Konservativen bezahlen für den gescheiterten Versuch ihres Präsidenten, mit der Guerilla einen Waffenstillstand auszuhandeln und einige ihrer sozialen Forderungen im Kongreß durchzusetzen. Betancur hatte den Widerstand von Militär und Oligarchie unterschätzt und die Geduld der Guerilla überschätzt.

Ein liberaler Präsident bedeutet aber nicht, daß sich die Politik nach dem 25. Mai grundlegend ändert. Nach langen Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen haben sich die Kolumbianer per Verfassung darauf geeinigt, alle Parteien – entsprechend ihrer Fraktionsstärke – an der Regierung zu beteiligen.

–bi