Von Wolfgang Hoffmann

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Olaf Feldmann hat eine böse Ahnung: „Wenn das mit der Kostenexplosion beim Panzerabwehrhubschrauber so weitergeht, dann bekommen wir noch einen Untersuchungsausschuß.“ Der Hinweis ist nicht so abwegig, denn ausgerechnet im Wahljahr, in dem der Verteidigungsminister Ärger am wenigsten gebrauchen kann, rollt auf Manfred Wörner eine Kostenlawine zu, über deren wahres Ausmaß sich sein Ministerium noch ausschweigt.

Noch vor zwei Jahren waren alle stolz auf die Entwicklung des Panzerabwehrhubschraubers, eine deutsch-französische Kooperation, deren Abschluß im Mai 1984 mit einem publizistischen Aufwand ohnegleichen gefeiert wurde. Hinsichtlich der Rüstungskosten sollte ein Aufbruch zu neuen „Horizonten“ erreicht werden. Denn die bisherige teure Praxis in Europa, Waffensysteme doppelt und dreifach zu erfinden und zu bauen, wurde endlich umgangen.

Vorerst freilich hat sich nur der Kostenhorizont des neuen bilateralen Waffenprojektes erweitert, und zwar nach bewährtem Muster: Vor Vertragsabschluß sind die Kosten niedrig, nach Vertragsabschluß schnellen sie hoch. Die SPD-Verteidigungsexpertin im Haushaltsausschuß des Bundestages, Brigitte Traupe, meint: „Das kennen wir ja von vielen Projekten. Was mich dabei am meisten ärgert, daß niemand wagt, etwas dagegen zu unternehmen. Die Hardthöhe hat wieder alles mitgemacht.“

Ob auf der Hardthöhe, dem Sitz des Bonner Verteidigungsministers, beim Hubschrauberprojekt wirklich alles mitgemacht wurde, ist allerdings noch nicht heraus. So wollte Rüstungsstaatssekretär Manfred Timmermann jedenfalls von den neuen Horrorzahlen für die Entwicklung des Hubschraubers – 1,5 Milliarden statt 950 Millionen Mark – nichts wissen. Er räumte nur höhere Kosten von 1,05 Milliarden Mark ein und vertröstete die Abgeordneten, die genaueres wissen wollten, erst einmal auf Mai. Die Stunde der Wahrheit steht daher noch aus.

Es war allerdings abzusehen, daß die Industrie – auf deutscher Seite Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), auf französischer Aerospatiale – ihren ursprünglich genannten Entwicklungspreis nicht einhalten würde. Die Parlamentarierin Traupe sagt: „Die Kosten lagen ja schon zu unserer Zeit höher.“ Denn die Entwicklung des Panzerabwehrhubschrauber PAH2 – als Nachfolger des PAH 1 – geht schon auf den früheren SPD-Verteidigungsminister Hans Apel zurück, der MBB in München mit Vorstudien zu diesem Projekt beauftragt hatte. Schon 1979 hieß es in einem Statusbericht von MBB über das PAH-2-Programm: „Die bilaterale Entwicklung soll in den Jahren 1980 bis 1986 durchgeführt werden. Auslieferung des ersten Hubschraubers ist für 1986 von den Streitkräften der Bundesrepublik, für 1987 von den Streitkräften der Republik Frankreich gefordert.“

Das aber blieb wie so vieles in der Rüstungsindustrie Illusion. Als Helmut Kohl und François Mitterrand im Mai 1984 das Memorandum of Understanding über die Entwicklung des gemeinsamen Panzerabwehrhubschraubers unterschrieben, war der Erstflug bei der Truppe schon verschoben – in Frankreich auf 1991, in der Bundesrepublik auf 1992. Wären die Unterzeichner des Memorandums allerdings bei den Entwicklungskosten geblieben, wie sie Ende der siebziger Jahre im Gespräch waren, so wären sie heute der Wahrheit näher. Von 1,2 Milliarden Mark war damals die Rede.