„Ritas Sommer – Geschichten aus unserer Zeit“, von Oliver Storz. Ein seltsames Buch: Ort: Brimmern im Muusgau..., gelegen zwischen Ulm und Nördlingen, wo sich scheinbar nichts bewegt und doch so viel Schicksal passiert (Verlagstext). „Geschichten aus unserer Zeit?“ Diese Geschichten spielen kurz vor und nach 1945. Mit „unserer Zeit“ können allenfalls die Jahrgänge um den Jahrgang des Verfassers (1929) gemeint sein. „Schicksal“ passiert im Muusgau offensichtlich nur Frauen. Im Muusgau ist ein Fliegerhorst stationiert, der Führer im Berliner Bunker wirft „nicht existierende Panzerdivisionen in den „Endkampf“, und dieweilen treibt es eine Nymphomanin in Brimmern mit fast der kompletten Belegschaft des Fliegerhorstes so laut, daß die Hunde in der Nachbarschaft mitjaulen. „Heimas Höhepunkt“ wird (sexuell) in Brimmern erreicht, als sie sich, nach 1945 aus den USA anreisend, endlich der heimatlichen Jugendliebe hingibt. „Ritas Sommer“ (ihre Pubertät) ist von der Wahnidee erfüllt, sie müsse als Rothaarige – wie der Volksmund es will, zur Hure werden. Gegen Ende des Sommers nimmt sie sich das Leben. Hilde, eine Frau zwischen zwei Männern, erschießt beide. Für den Augenblick praktisch, à la longue aber eine bedenkliche Lösung. Eine weitere Frau – „Elfriedes Traum“ – sucht Liebe, findet stets nur öden, rüden Sex und gerät auf ausgemacht fiese Tour an einen Ami-Zuhälter. (Hoffmann und Campe Verlag Hamburg; 185 S., 24,– DM.)

Hanns-Hermann Kersten