Die Diskussion um den Schatz amerikanischer Touristen in Europa (ZEIT Nr. 11/86) hält unvermindert an – sowohl in den USA als auch in den Staaten der Europäischen Gemeinschaft. Das spiegelt sich wider auf der Internationalen Tourismus-Börse, die vor einigen Tagen in Berlin zu Ende ging.

Catch the Spirit“ heißt das Motto der diesjährigen Werbekampagne der USA; „catch the Mark“ ist gemeint, denn die Bemühungen zielen auf deutsche Bemühungen Die Chancen der Amerikaner sind nicht schlecht, der Dollar ist wieder billiger geworden, und die Flugpreise über den Nordatlantik werden vermutlich noch weiter sinken.

Dennoch wurden die Repräsentanten jener amerikanischen Fluggesellschaften, die Europa anfliegen, nicht recht froh. Deutsche Geschäftspartner konfrontieren sie auf der „Weltmesse des Tourismus“ in Berlin ständig mit der Frage, was sie zu tun gedächten, um die US-Amerikaner weiter für Ferien in Europa zu gewinnen. Die meisten mußten passen. Gegen den Kaufkraftverfall des Dollars in der Alten Welt, gegen die politische Unzufriedenheit mit den europäischen Partnern und vor allem gegen die Angst vor Terroranschlägen ist kein Kraut und Argument gewachsen.

Das machte auch eine Stellungnahme aus Washington deutlich, die auf der ITB für kummervolle Mienen sorgte: Donna Tuttle, die Staatssekretärin für Reise und Tourismus, warnte – noch vor dem Attentat auf Olof Palme – die westeuropäischen Regierungen vor Untätigkeit. Deren Aufgabe sei es nun, die US-Touristen von ihrem ernsten Willen zu überzeugen, Terrorismus effektiv zu bekämpfen und die Reisenden besser zu schützen. Andernfalls, so berichtete der Nachrichtendienst travel management daily, müsse das Touristikgeschäft mit spürbaren Verlusten rechnen.

Auf einer speziellen Konferenz zum Thema „Terrorismus, Tourismus und der Reisende“ erklärte die Politikerin kürzlich in Washington, daß die – womöglich im Einzelfall unzutreffende – Annahme ihrer Landsleute, es werde nicht genug getan für ihre Sicherheit, mit Gegenmaßnahmen korrigiert werden müsse. Donna Tuttle beklagte, daß die meisten europäischen Politiker in Sicherheitsfragen ihre eigene Tourismusindustrie überhaupt nicht konsultieren.