Von Susanne Poelchau

Abends trifft man sich im „Joghurt Inn“ bei Kerzenlicht und sanfter Cat-Stevens-Musik zu Fisch in Kokosnußsoße. Die Amerikaner am Nebentisch tauschen Tips darüber aus, wo man am billigsten Silberschmuck, Elfenbein und die für Lamu so typischen Holzschnitzereien einkaufen kann. Drei junge Schweizer, die im ausgebauten VW-Bus Afrika durchquert haben, wissen zum Thema Tansania vor allem beizutragen, daß dort alles schwer zu beschaffen und außerdem unerschwinglich sei. Sie haben so viele Dosen gehortet, daß sie jetzt im Nachbarland Kenia noch von ihren Vorräten zehren.

Das wäre nicht nötig, denn auf Lamu findet man alles, was das Herz begehrt. Nachdem Ende der sechziger Jahre die ersten amerikanischen Freaks die Palmeninsel im Indischen Ozean entdeckten und sich dort oft monatelang von anstrengenden Wüstentrips erholten, begannen die Bewohner von Lamu, sich auf die Bedürfnisse der Reisenden einzustellen.

„Ich hatte da einen deutschen Touristen im Haus, der sah, wie die Kinder morgens Porridge aßen. Er empfahl uns, ein paar Nüsse drüberzustreuen, Joghurt und Obstsalat dazuzuservieren und das Ganze dann Müsli zu nennen“, erzählt Mohammed, der Besitzer des „Full Moon Café“. Heute ist das Müsli der Hit auf den Speisekarten; die Bewohner der Insel zucken allerdings nur verwundert die Schultern, wenn man sie auf die ausgewachsenen Männer und Frauen anspricht, die morgens, mittags und abends die Kinderspeise verzehren.

Für viele der „alternativen Touristen“ besteht der Reiz der Insel vor allem im guten Kontakt zu den Einheimischen. Man ist sich ganz einig in der Verachtung der Pauschaltouristen, die rund um Mombasa in ihren Strandburgen sitzen und auf Tagestouren die nordkenianische Insel ansteuern. „Die kriegen ja nichts von der kenianischen Kultur und vom wirklichen Leben der Menschen mit“, heißt es abfällig.

Man selber reist da ganz anders. Meist haben die „Travellers“ schon wenige Stunden nach Verlassen des Fährboots auf der Insel „enge Freunde“ gefunden. Bei der Ankunft stürzen sich die Scharen von Jugendlichen auf die Touristen und schleppen sie zu diversen Unterkünften, wo man Zimmer oder auch eine billige Matratze auf dem Hausdach mieten kann. Schon auf dem Weg zur neuen Herberge werden den Reisenden verschiedene Vorschläge für die nächsten Tage unterbreitet.

Natürlich will keiner, der alternativ reist, im großen Pulk Kulturstätten besichtigen. Aber mit Ali frühmorgens auf der Dhow (den typischen Segelbooten, die auch auf Lamu angefertigt werden) zu den Ruinen von Takwa segeln, ein paar Stunden angeln, dann ein Mahl mit selbstgefangenen Fischen serviert bekommen – das klingt schon ganz anders. Die echten Reisefexe warten allerdings ein paar Tage, bevor sie sich auf solche Angebote einlassen, handeln dann mit einem kenianischen „Freund“ einen „Freundschaftspreis“ aus und kommen so fast zum Nulltarif zur Bootstour. Abends mit Sonnenbrand auf der Nase wird dann im „Joghurt Inn“ von der Freundlichkeit der Kenianer geschwärmt und der Spezialpreis an Neuankömmlinge weitergeflüstert.