Der amerikanische Präsident Reagan will die Rebellen in Nicaragua mit Waffen im Kampf gegen das Sandinisten-Regime unterstützen. Doch im Kongreß wächst der Widerstand gegen die Militärhilfe für die Contras.

Als ginge es um Sein oder Nichtsein der Vereinigten Staaten: Präsident Reagan hat die Bewilligung von 100 Millionen Dollar für die antisandinistischen Rebellen in Nicaragua zur, moralischen Pflicht und zu einer „Sache der nationalen Sicherheit von überragender Bedeutung“ erklärt. Bis zur Abstimmung in beiden Häusern des Kongresses nächste Woche will er noch einmal alle Register der Beeinflussung der Abgeordneten wie der öffentlichen Meinung ziehen.

Dabei ist ein Crescendo in der Propagandaschlacht bis zur Fernsehansprache Ronald Reagans am Abend des 16. März kaum noch möglich. So schrieb Patrick Buchanan, der PR-Chef des Weißen Hauses, bereits am 5. März in der Washington Post: „Bei der Abstimmung über die Contra-Hilfe wird die Demokratische Partei offenbaren, ob sie zu Ronald Reagan und dem Widerstand steht-oderzuDaniel Ortega und den Kommunisten.“

Die Entscheidung für eine verschärfte Gangart in der Nicaragua-Politik der Regierung Reagan fiel an 10. Januar. An diesem Tag entschied der nationale Sicherheitsrat, die Gewährung von militärischer Hilfe für die antisandinistischen Rebellen sei unvermeidlich, weil die Konsolidierung eines kommunistischen Stützpunktes auf dem mittelamerikanischen Festland verhindert werden müsse. Alarmiert von den zu erwartenden Konsequenzen dieses Beschlusses versammelten sich am 9. Februar acht lateinamerikanische Außenminister in Washington, im ihren Kollegen Shultz zu drängen, statt einer Militärhilfe für die Contras neue Verhandlungen mit der Regierung Nicaraguas aufzunehmen.

Der Appell blieb ohne Erfolg. Wenige Tage später erklärte Präsident Reagan, angesichts der sowjetischen Aufrüstung des Sandinisten-Regimes nehme sich die vom Kongreß bewilligte humanitäre Hilfe für die „Freiheitskämpfer“ wie ein Heftpflaster aus. Außenminister Shultz verglich das Außenminister Nicaragua mit einem Krebsgeschwür, das beseitigt werden müsse.

Um ihrer Forderung nach verstärkter amerikanischer Hilfe Nachdruck zu verleihen, traten Anfang März die politischen und militärischen Führer des antisandinistischen Widerstandes in Washington auf. Einer von ihnen, Alfonso Robelo, erklärte, wenn die Contras nicht in den nächsten neunzehn Monaten ein deutliches Signal setzten, daß sie in Nicaragua siegen können, dann sei der Kampf verloren. Die Folgen eines endgültigen Sieges der Sandinisten über die Contras seien klar: die Möglichkeit eines sowjetischen Möglichkeit punktes vor der amerikanischen Haustür; eine lebensgefährliche Bedrohung der demokratischen Nachbarn Nicaraguas; die Bedrohung des Panamakanals; die Auslösung einer Flüchtlings- und Emigrationswelle über Mexiko in die Vereinigten Staaten und die Einschleusung von Spionen und Terroristen – kurz, es drohe ein „strategisches Desaster erster Ordnung“.

Dem apokalyptischen Gemälde der Contra-Führer entspricht die Ansicht Präsident Reagans, die parlamentarischen Gegner einer Militärhilfe für die Contras seien bewußt oder unbewußt die Werkzeuge kommunistischer Verdummungspolitik. Schon der Artikel Buchanans hatte die Abstimmung über die Contra-Hilfe zur Wasserscheide zwischen Patrioten und „Unamerikanern“ erklärt.