Bei der Fahndung nach dem Mörder des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme tappt die Polizei noch immer im dunkeln.

Es ist inzwischen schon Routine geworden: Täglich um 15.30 Uhr stellt sich Hans Holmer, der Fahndungschef der Stockholmer Polizei, der Presse, um über neue Erkenntnisse im Mordfall Olof Palme zu berichten. Und jeden Nachmittag verläßt die immer kleiner werdende Journalistenschar das Hauptquartier der Polizei mit der Nachricht, daß es bei der Suche nach Palmes Mörder keinen entscheidenden Fortschritt gibt. Holmer vergleicht all die Tips, denen die Polizei nachgeht, mit Kerzen: Manche brennen lange, manche erlöschen schnell. Doch das erhellende Licht hat Schwedens Polizei noch nicht gefunden.

Die schwedischen Ordnungshüter sind überfordert. Mit politisch verbrämten Verbrechen haben sie sonst nichts zu tun. Gleich nach der Tat sind der Polizei bei der Spurensicherung und Fahndung schwere Pannen unterlaufen. Jetzt sieht sie sich unter Erfolgszwang und ist nervös. Nur so ist die Eile zu erklären, mit der sie ein Phantombild des mutmaßlichen Mörders veröffentlichte, ohne daß die Kronzeugin das Bild zu sehen bekommen hatte. Nun warnen Fachleute davor, daß die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit einseitig auf dieses Bild fixiert werde und andere Hinweise unter den Tisch fallen.

„Wir fahnden auf breiter Grundlage“, verteidigt sich Holmer, „wir haben tausend Kerzen brennen, doch wir haben keinen Hauptverdächtigen.“ Auch nicht den Mann, den türkische Zeitungen als „Killer der PKK“, der extremistischen Kurdischen Arbeiterpartei bezeichnen und dessen Ähnlichkeit mit dem Stockholmer Fahndungsphoto frappierend ist. Als Schweden dem als „PKK-Chef“ bezeichneten Abdullah Öcala vor fünf Jahren Asyl verweigerte, warnte die schwedische Sicherheitspolizei vor einem Racheakt der Bewegung. Olof Palme galt als mögliches Ziel. Doch die Angaben über die PKK können auch vom türkischen Geheimdienst verbreitet worden sein, um den Befreiungskampf der Kurden zu diskreditieren.

Daß die Mordtat von einer Gruppe ausgeheckt wurde und diese einen professionellen Mörder anheuerte, steht für Hans Holmér inzwischen außer Zweifel. „Am besten wäre ein verrückter Schwede“, hatten schwedische Kommentatoren zunächst geschrieben: Ein versponnener Einzelgänger ohne rationales Motiv, der es den Schweden erlauben würde, die Tat als schrecklichen Unfall anzusehen, ohne sie zu zwingen, Konsequenzen zu ziehen. „Am schlechtesten wäre es, wenn der Täter nie gefunden wird“, schrieben die Kommentatoren weiter.

Zehn Tage nach dem Mord an Olof Palme fürchten Kriminalexperten, daß die schlechteste Alternative auch die wahrscheinlichste ist. Hannes Gamillscheg

(Kopenhagen)