Bisher gibt es keine Therapie gegen ausufernde Semesterzahlen

Von Dorothea Hilgenberg

Wieviel Papiere und Expertisen, Tagungen und Fachgespräche wurden schon bemüht, um endlich eine Formel zu finden, wie wir unsere angejahrten Hochschulabsolventen einer Verjüngungskur unterziehen können? Das Rezept hat bisher keiner gefunden. Auch der Wissenschaftsrat, der gerade einen neuen Vorstoß wagte, fand es nicht.

„Vier plus“ nennt er seine Variante hoffnungsträchtiger Modelle, die den jungen und noch dynamischen Absolventen propagieren und den über einem langen Studium müde gewordenen Dreißigjährigen den Garaus machen wollen. Statt der durchschnittlichen 11,8 Semester, die unsere Studenten beim Examen auf dem Buckel haben (Fachstudienzeit), sollen sie ihren Abschluß künftig in vier Jahren und höchstens drei Monaten schaffen.

Wer nach dem Diplom oder Staatsexamen weiteren wissenschaftlichen Drang verspürt und der Forschung für würdig empfunden wird, soll sich dann in zwei-, höchstens dreijährigen Graduierten-Kollegs auf seine Dissertation vorbereiten oder in einjährigen Spezialstudien seine Fachkenntnisse vertiefen können. Hierfür gibt es ein Zertifikat. Ein Versuch, das Studium zu straffen und für die Guten ein weiterführendes Sammelbecken zu schaffen. Darüber ließe sich reden, doch ist das nicht das Problem.

Alle wollen weniger Semester

Alle waren und sind für kürzere Studienzeiten – Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Professoren, Präsidenten und Rektoren, am meisten die Studenten. Trotzdem passiert nichts, noch schlimmer: Der Durchschnittsstudent lädt sich immer mehr Semester auf. Nichts scheint in unserem Hochschulsystem, das mit dreimal soviel Studenten nicht viel anders aussieht als 1960, so unmöglich, wie diesen Jedermanns-Traum zu erfüllen. Weil der fromme Wunsch nicht reicht. Weil der Vorschlag, wenn er ernst genommen werden soll, gleich die Strategie zur Lösung mitliefern muß.