In seinem neuen Direktorenzimmer am Düsseldorfer Grabbeplatz sitzt Werner Schmalenbach wie in einem Flughafen-Tower. Zwar wird dem Eintretenden der Blick auf ihn durch eine blaue Säule verstellt und die Begrüßung durch diesen Architektenscherz dann ungewollt aktionistisch; aber er selber, überblickt die Lage jederzeit durch eine Reihe kleinteiliger Fenster. Daß dieser neue Platz durchaus der Gesamtsituation entspricht, würde Schmalenbach (der sein, wie er selbst findet, schönes Amt mit souveräner Heiterkeit ausübt) sofort fröhlich bejahen. Seine eigene Biographie erklärt Werner Schmalenbach gern mit dem „Prinzip Zufall“ (nicht ohne hinzuzufügen, daß der Zufall gut, das Zufällige aber schlecht sei): geboren 1920 in Göttingen, durch die Berufung des Vaters an die Universität Basel dem Dritten Reich entkommen, in Basel mit einer Arbeit über „Die Kunst der Naturvölker als Anregungsquelle für die europäische Kunst bis 1900“ promoviert, 1955 nach einem erfolgreichen Vortrag in Hannover zum Direktor der dortigen Kestner-Gesellschaft berufen, 1962 zum Direktor der noch kaum existenten (aber luxuriös finanzierten) „Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen“ ernannt. Von Anfang an betrieb Schmalenbach hier eine Sammlungspolitik, bei der Qualität der alleinige Maßstab war – mancher Künstler oder Galerist erhielt nach Wochen oder Monaten der Prüfung seine Arbeit mit Dank zurück. Werner Schmalenbachs Sammlung, inzwischen auf knapp 200 Werke angewachsen (ohne Klee und eine Sammlung von Bissier-Zeichnungen) hatte in den letzten Jahren schon lange den Rahmen des zierlichen „Schloß Jägerhof“ gesprengt, war nur bruchstückhaft oder auf Gastspielreisen zu sehen. Wie sie sich im Tageslicht eines veritablen Museumsbaus bewährt, kann man jetzt in Düsseldorf überprüfen. Und man wird feststellen, daß das „Prinzip Zufall“ die glücklichsten Folgen gehabt hat. P. K.