Auf die Szene kann man in Hamburg nur schwer verzichten: Das Blatt ist das am besten gemachte der drei Stadtmagazine; es hat einen sehr ausführlichen, gut gegliederten Veranstaltungskalender. Die Reportagen aber, die nie besonders gut waren, werden immer ungenießbarer.

In jüngster Zeit setzt die Redaktion auf Eure Menschenverachtung: In der Februar-Ausgabe stand ein zynischer Bericht über einen ehemaligen Philosophie-Studenten, der von Sozialhilfe lebt – am Ende überlegt sich der Autor Uwe Kopf, daß der Mann zu beneiden sei. Im März-Heft wird der östliche Stadtteil Rahlstedt porträtiert: „Kein Hamburger Chicago“. Der Rundgang durch ein Armeleuteviertel liest sich so:

„... bummeln wir gemeinsam die Greifenberger Straße hinunter, die für Rahlstedt das gleiche bedeutet wie die Fifth Avenue für New York oder die Oxford Street für London. Sofort auffallend: das Bestreben der Stadtplaner, der Region einen eigenständigen Charakter zu verleihen; beschauliche Eigenheime wechseln mit architektonischen Blackouts wie dem ‚Hannibal‘, einem schlachtschiffähnlichen Hochhaus mit einer sogar den Philosophenturm der Universität schlagenden Selbstmord-Quote. Der Sprung aus dem 14. Stock zeitigt eine sichere Entleibung, da der freie Fall auch noch von einer nadelspitzen Skulptur gebremst wird.

Vorbei an einem malerischen Teich mit üppiger Fauna, erreichen wir alsbald den Minigolfplatz. Hier wird über 18 Bahnen um Bundesligapunkte gespielt. Der hochdekorierte Postangestellte Andreas Gulle demonstriert seiner Freundin Angelika das korrekte Einlochen. Kennengelernt haben sich die beiden auf dem inoffiziösen Oldenfelder Autostrich. Angelika kann heute ganz frei über diese Periode ihres Daseins sprechen, ‚mit der Angelika von damals verbindet mich nichts mehr‘. Sie sei, keine Überraschung, in jenen Tagen sehr verzweifelt gewesen, ‚ohne rechten Lebenswillen‘. Als sie eines Abends von Gulle angesprochen und in seinen Wagen geladen wurde, klagte sie vor dem Vollzug ihr Leid dem Beamten, der zu der Zeit dem Alkohol verfallen war und stets mit zwei Paletten Büchsen-Pils spazierenfuhr. Sofort machte der Freier deutlich, daß es ‚beziehungs-theoretisch und überhaupt Unsinn‘ sei, sich umzubringen. Angelika solle vielmehr trinken und bei ihm bleiben. Seitdem sind Andreas und Angelika ein Paar. Die Rahlstedter neigen zur Treue.“

Zum Schluß auch dieser Geschichte kommen Uwe Kopf wieder Zweifel: „Wo bin ich zu Hause? Ich lebe in Winterhude. Was soll ich da noch? Gehöre ich nicht nach Rahlstedt?“ Ach, lebte er doch von Sozialhilfe und in Rahlstedt!