Afghanistan-Hearing im Bonner Bundestag: Die Parlamentarier hörten Berichte über sowjetische Kriegsgreuel. Der SPD-Abgeordnete Volker Neumann fordert mehr politische Unterstützung für die afghanischen Aufständischen.

ZEIT: Sie waren vor dem Hearing mit einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten in Pakistan und in Afghanistan. Was haben Sie da erfahren, was Sie nicht vorher schon aus Berichten wußten?

Neumann: Bei meinem Besuch in Afghanistan habe ich die moralische Kraft des Widerstands erlebt, der sich auf dem Islam und auf dem Gedanken der Befreiung Afghanistans vor der sowjetischen Invasion gründet. Diese Kraft, die sich in der Gelassenheit der Widerstandskämpfer, aber auch in ihrer Siegeszuversicht ausdrückt, die kann man nur spüren, wenn man vor Ort ist.

ZEIT: Halten Sie diese Siegeszuversicht für begründet?

Neumann: Ich glaube, daß keine der beiden Seiten den Krieg gewinnen kann. Die Mudschaheddin haben den überwiegendsten Teil der Bevölkerung auf ihrer Seite. Die Koordination der einzelnen Widerstandsgruppen hat erhebliche Fortschritte gemacht. Auf der anderen Seite können die Mudschaheddin gegen die Sowjetunion mit ihrer unbegrenzten Fähigkeit, Nachschub zu senden, das Land nicht befreien.

ZEIT: Sie fordern eine diplomatische Aufwertung der Allianz der Widerstandsgruppen. Wie soll das aussehen?

Neumann: Man sollte dem Widerstand etwa in Form eines Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen eine politische Aufwertung gewähren. Denn eine Friedensregelung in dieser Region ist ohne den Widerstand nicht möglich; der Widerstand kann aber an den politischen Gesprächen nur beteiligt werden, wenn er politisch aufgewertet ist.