Salzgitter

Man hat sich schon fast daran gewöhnt: Da machen sich irgendwo engagierte Bürger auf, um die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Region ans Tageslicht zu zerren und Spuren zu sichern, und schon stoßen sie auf Widerstand, schon gibt’s Ärger.

In Salzgitter ist das nicht anders. Eine Stadt mit wenig Geschichte und doch so viel Vergangenheit – brauner Vergangenheit: Das künstliche Gebilde aus 31 Stadtteilen am Rande des Harzes verdankt seine Existenz den ehrgeizigen Industrialisierungsplänen der Nazis.

Hermann Göring wollte sich hier auf dem erzhaltigen Boden ein gigantisches Denkmal setzen, und der Aufbau der „Reichswerke Hermann Göring“ im Jahre 1937 kann als Grundsteinlegung für die Stadt Salzgitter gesehen werden, die offiziell erst 1942 gegründet wurde.

Das war schon mitten im Zweiten Weltkrieg, und die Reichswerke standen voll in der Rüstungsproduktion. Zehntausende von Menschen wurden als billige Arbeitskräfte hierher verschleppt, und, weil’s so praktisch und „preiswert“ war, richteten Industriemanager und SS in bewährter Zusammenarbeit gleich einige KZ-Außenlager in Salzgitter ein.

Sechs Reichsmark mußte der Konzern täglich für einen Zwangs-Facharbeiter zahlen, vier Mark kostete ein Hilfsarbeiter. Die Überlebensdauer der Verschleppten errechnete die SS zynisch mit neun Monaten – wer entkräftet und arbeitsunfähig zusammenbrach, wurde in die Todeslager transportiert. Ehemalige Häftlinge berichten von unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen, von willkürlichen Hinrichtungen, Folter und Schikanen – das Konzept hieß: „Vernichtung durch Arbeit.“

Eines der Außenlager war das KZ-Drütte. Und hierum geht jetzt der Streit in Salzgitter. Denn während die meisten Lager nach Kriegsende durch rasche Zerstörung „bewältigt“ wurden, sind noch einige Gebäudeteile des KZ-Drütte erhalten.