Literatur als Aufklärung – so lautet seit über fünfundzwanzig Jahren das Programm des Signal-Verlages. Sein Leiter Hans Frevert blieb dieser eher Anerkennung als Gewinn bringenden Maxime kompromißlos treu, als vor einigen Jahren große Teile der bundesrepublikanischen Kinder- und Jugendliteratur ins Private und Unverbindliche umkippten.

Die zahlreichen Anthologien des Verlagsprogramms beweisen, daß Frevert und seine Herausgeber sich wie wenige in unserem Lande der Mühe unterziehen, Literatur für Jugendliche durch gekonnte Selektion anzubieten und auf diese Weise das Ghetto der Jugendliteratur zu öffnen.

Keinerlei Zugeständnisse an einen literarischen Schonraum macht ein Sammlung von Texten zu Geschichte und Gegenwart Südafrikas

„Rote Erde – schwarzer Zorn. Lesebuch für ein anderes Südafrika“, herausgegeben von Horst Heidtmann und Christoph Plate; Signal-Verlag, Baden-Baden; 224 S., 29,80 DM.

Obwohl mit Zeittafel, Landkarte, Glossar, Bibliographie, Photos und Kontaktadressen versehen, handelt es sich nicht um ein Sachbuch oder eine Dokumentation. Das Lesebuch will vielmehr auch durch Überlieferung, Impressionen, Erlebnisse, durch Empörung Betroffener und Leiderfahrener informieren.

Demütigung und Strafe bei kleinsten Vergehen gegen das Herr-Knecht-Verhältnis, sexueller Mißbrauch, entwürdigende Arbeitsbedingungen, Zerstörung sozialer Gemeinschaften durch das Homeland- und Wanderarbeiterprinzip, brutale Unterdrückung jeder Form politischen Widerstandes gehören zu den vergangenen und gegenwärtigen Facetten der Menschenverachtung des Apartheid-Systems.

Hauptsächlich Schwarze wie Peter Abraham, Alex La Guma, Winnie N. Mandela, James Matthew und Vusamazulu C. Mutwa kommen zu Wort. Ihre Bitterkeit kulminiert in James Twalas Bergarbeitergedicht „Familienplanung“, das Trennung von der Familie und einsame Ersatzbefriedigung in der Notunterkunft als Teil weißer Bevölkerungspolitik definiert. Weiße Autoren wie Breiten Breytenbach, André Brink und Nadine Gordimer treten als Anwälte für die Gleichberechtigung der Rassen auf. Das geschieht am anrührendsten in N. Gordimers Szene „Das Schulmädchen und die schwarze Frau“, in der beide Protagonistinnen ihrer Rasse einander vertrauend, Kaugummi kauend, Hand in Hand eine verkehrsreiche Straße überqueren. Kontrapunkte bilden die offiziellen Verlautbarungen von Vertretern der Sympathisanten der Apartheids-Politik. Das ganze Buch, alle siebenundachtzig Texte verschmelzen zur atemlosen, vielstimmigen Anklage gegen ein System, das in dreiundzwanzig Millionen schwarzen Südafrikanern keine vollwertigen Menschen sieht.